Vanden Plas – Wenn Künstler Kräfte bündeln, Mentoren ihres Amtes walten und Silbermond Mozarts Nachfolger sein sollen

„Bis Ende des kommenden Jahres haben wir bis jetzt eine Anzahl an Auftritten zusammengestellt, die realistisch scheint, so an die 25 Stück. Ich empfinde das doch für unsere Verhältnisse als relativ viel, da wir uns ja die letzten Jahre auch nicht übermäßig oft live blicken haben lassen. Und in Sachen Live haben wir auch nicht so den Background. „Damit ist jetzt aber nicht gemeint, daß die Jungs ihr Handwerk vor Publikum nicht beherrschen würden, es dreht sich um die Zugkräftigkeit u.a. „Andere Bands, die regelmäßig zu neuen Scheiben auf Tour gehen, haben einen ganz anderen Stellenwert. Ich sage immer, daß sind die gefühlten 50 bis 60 Leute, die uns an einem Abend einfach fehlen. Es zeigt sich schon, daß man sich Fans auch live erspielen kann.

Nehmen wir einen Veranstalter in Marseille zum Beispiel, der uns spielen lassen wollte: Wir haben keinen eigenen Bus, müßten den vp 1also schon mal mieten, was zu höheren Kosten führt und das zieht sich wie ein Rattenschwanz durch. Für uns steht die Sache dann finanzielle Null auf Null, aber dem Veranstalter käm´s zu teuer. Ich persönlich denke aber nach den Erfahrungen der letzten Tour, daß es jetzt schon klappen könnte, hier mehr in dieser Richtung aufzubauen. Es ist halt doof, wenn sich zwar Leute freuen, daß ihre Lieblingsband gespielt hat, aber die eben 500 Flocken drauflegen mußte.“

Und hier haben wir auch wieder die nächste Überleitung zum Theater: „Hier sponsert eben der Bund, wenn etwas als künstlerisch wertvoll erachtet wird. Muß aber auch dazu gesagt werden, daß viele Kunst nicht wirklich verstehen. Es sollte ein Gesetz erlassen werden, daß Musikkneipen zum Beispiel unterstützt werden müssen und diese im Gegenzug auch einen gewissen Prozentsatz in junge Bands für Auftritte und zur Förderung neuer Kunst an sich auch nutzten müssen. Irgendwann haben wir Mozart und Co und aus der jüngeren Zeit bleibt Silbermond“, sprudelt es heraus. Die großen Komponisten hatten ja auch das Problem, daß sie erst hundert(e) Jahre später erkannt wurden. Ich wäre wirklich für sowas: Finanziell unterstützen ja, aber es müßten eben so und so viel Prozent davon für diese Zwecke verwendet werden. Die meisten Kulturzentren sind dafür einfach zu weit weg.“

Damit ist die nicht örtliche Distanz gemeint, sondern eher das Dingens: Irgendwie am Thema vorbei. „Naja, in unserer Gesetzgebung ist halt eine Förderung der Kunst schlichtweg nicht vorgesehen. Als Künstler zahlt man wie jeder andere auch seine Sozialabgaben – wenn andere Leute, die in einem anderen Job arbeiten, krank sind, bekommen sie ihren Lohn weiter. Als Künstler bekommste nichts. Und tritt man nicht, um ein Beispiel zu nenne, verdient man zum einen da eben auch nichts und ist eventuell auch das Engagement los. Im Theater stützt man sich auf Statuten – im Grunde sieht es so aus: Wird man krank, kann man gleich Hartz IV beantragen. Im Umkehrschluß gehen viele krank auf die Bühne und machen sich die Stimme etwa kaputt.“
Jaja, das tolle Leben im Rampenlicht… und die Zeit, die einem wie Sand durch die Finger rinnen kann oder schlichtweg fehlt. Am besten anhalten. „Am liebsten würde ich jetzt sofort auf der Stelle diese vier Monate, die ich angesprochen habe, anfangen, aber geht ja nicht. Ach halt, wir halten ja grad die Zeit an, hehe. Ohne Arbeit kann ich eben auch nicht, ich möchte nur mal was anderes machen.“ Dabei hat Andy schon wieder eine Anfrage auf dem Tisch liegen, diesmal aus Israel – logischerweise geht´s da auch übers Netz der unmöglichen, äh unbegrenzten Möglichkeiten. „Kultur und Land würden mich dabei absolut reizen, das möchte ich wirklich einmal kennenlernen.“

Und ein paar nachdenklich stimmende und wirklich philosophische Worte gibt es zum Abschluß auch noch mit auf den Weg: „Musik besitzt durchaus die Kraft, etwas zu erzählen, unabhängig vom Verständnis der eigentlichen Sprache. Und irgendwie… über die eigene Kunst zu sprechen, nachdem man sie präsentiert hat, erscheint einem so banal. Denn eigentlich ist mit der Kunst doch bereits alles gesagt.“ EV

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