Subway To Sally: Wir sind ein Schrank! Keine Schublade!

Etwas erkältet und entsprechend leicht verwirrt meinerseits ging dieses Interview über die Bühne. Da es aufgrund wohl zahlreicher Interviews zu zeitlichen Überschneidungen gekommen war, gab es im Hause Subway To Sally auch eine kurze Plan-Änderung und so hatte ich das Vergnügen, mit Drummer und Perscussionist Simon Michael (Schmitt) zu talken. Subway To Sally sind eine Band, die sts 2immer wieder zu überraschen weiß und dennoch weiß man als Fan einfach, was man hat. So gibt´s natürlich auch dieses Jahr wieder fein auf die Augen und die Ohren, wenn sich Subway To Sally gemeinsam mit Versenghold, Fiddler´s Green und Letzte Instanz zu den Eisheiligen Nächten aufmachen. Und selbst, wenn man kein neuer Longplayer Band am Start ist – Subway To Sally sind dennoch ständig präsent.

„Wir haben jetzt mal ein Jahr weniger live gespielt, aber im Grunde machen wir eigentlich immer was“, räumt Simon ein. „Es ist einfach nicht damit getan, alle zwei Jahre mal für zwei Wochen ins Studio zu gehen, um neues Material aufzunehmen.“ Naja, wer das denken würde, grundsätzlich, hat vom Leben als Künstler schon mal keinen Plan, denn selbst, würde man nur CDs produzieren, wäre das nicht die einzige Zeit, die investiert werden müßte. „Es ist irgendwie ein Fluch und ein Segen zugleich, wir sind wohl eine der innovativsten Bands der Szene und verlangen auch von uns selbst, daß wir uns immer wieder neu erfinden, daher sind wir auch ständig auf der Suche nach Inspirationen. Auch unsere Akustik-Tour ist so ein Fall (‚E-Coustic‘) und solche Sachen laufen natürlich umso besser, je mehr sich die Fans auch drüber gewahr sind, daß wir uns selbst immer weiter entwickeln, nicht auf der Stelle treten und uns nicht wiederholen.“

Tja, es ist schon eine Kunst, sich immer wieder selbst neu zu erfinden – eine Kunst, die nicht alle beherrschen. „Viele kopieren sich nur selbst und das ist etwas, daß uns absolut fern liegt“, wirft Simon ein. „Wir haben unsere Trademarks, ganz klar und Gott sei Dank sind unsere Fans leid-erfahren“, sagt´s und schmunzelt. „Die wissen nie so genau, was mit einer Platte auf sie zukommt. Aber sie wissen eines: Es kann eben auch ganz was anderes als erwartet oder erhofft dabei sein. Irgendwie ist man einfach an dem Punkt, an dem man sich fragt: Mache ich Musik für mich oder die Fans und ich habe diese Frage ganz klar für mich beantwortet: Ich mache Musik für mich.“

Dabei gesteht der Künstler auch zu, daß es mit dem Wollen allein nicht getan ist, will man innovativ sein und bleiben. „Es ist ganz klar auch eine Frage der Fähigkeiten. Und auch, ob man in der Lage ist, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, ob man offen für neue Einflüsse ist. Die Rock- und Metal-Szene wirkt dabei immer etwas sts 1uninspiriert. Man könnte es auch mit der Gastronomie vergleichen. Man kann natürlich einfach Schnitzel machen und das verkaufen. Wenn´s schmeckt. Ein Bekannter meines Onkels hat da Mut bewiesen und der Erfolg gab ihm Recht. Und es ist auch schon ein Erfolg, weil darüber gesprochen wird.“

Dabei zieht Simon als Beispiel die Power Metaller Sabaton heran: „Die Jungs sind ein sehr schönes Beispiel. Das dürfte der brutalst zehnte Aufguß an Heavy Metal sein. Ich mag die Band, keine Frage, aber ist das innovativ? Ich habe großes Glück, daß ich mit diesen Musiker, (Bodensky, Eric Fish, Simon, Frau Schmitt und Sugar Ray) Musik machen darf. Es sind erstklassige Musiker.“ Dabei macht er keinen Unterschied bei der Frage, was Fähigkeit in Sachen Musik nun sei: „Eine Fähigkeit kann alles sein: Das Berühren der Menschen ebenso wie die technischen Fertigkeiten. Die Frage ist, ob etwas am Ende wirkt. Rein technische Perfomances berühren mich nicht – es ist echt nicht meins, wenn Musiker für Musiker spielen.“
Denkt man die berühmte Musikpolizei… „Es ist ohne Frage, als Musiker andere Musiker zu begeistern, da ist man immer schnell beim Analysieren. Ich selbst kann dazu nichts sagen, ich achte nicht darauf – entweder das Ganze stimmt oder nicht. Dann ist mir das egal, ob es technisch anspruchsvoll, schwer zu spielen oder sonstwas ist.“ Dabei stellt Simon auch die Vermutung an. Daß dieses Verhalten auch etwas mit einem gewissen Lern- und somit Erfahrungsprozeß zu tun hat. „Das Ganze hat sowas vom Stand eines Musikstudenten – da achtet man noch verbissen auf die technische Seite.“ Irgendwie ja auch logisch, wenn man sich selbst noch im Lernprozeß befindet und sich steigern möchte.
Stimmig soll an sich nicht nur ein Stückchen Musik sein – das ist auch das Motto der Eisheiligen Nächte, wenn es zum Beispiel um die Frage nach den Bands geht, die Subway To Sally begleiten. „Klar freuen wir uns, wenn wir mit befreundeten Künstlern unterwegs sind und sowas klappt, aber in erster Linie geht es darum, daß das Abend-Programm stimmig ist. Im weitesten Rahmen soll das schon zusammen passen.“

Und zum Thema Innovation kommt gleich auch noch ein Knallerspruch hinterher: „Subway To Sally sind ein Schrank und keine Schublade. Der Begriff bzw die Kategorisierung Mittelalter-Rock war uns immer zu eng – wir sind sicher schon eine Band, die hier viel beeinflußt hat.“ Dabei kommt Simon auch auf seine Tätigkeit als Produzent zu sprechen. „Ich arbeite gerne als Produzent, auch viel. Da kommt schon öfter mal die Frage, wie man dies oder jenes denn basteln könnte. Daß es etwas mehr nach Subway To Sally klingt. Und es ist schon interessant, wenn man sich auch dann in solchem Material selbst wiederfindet. Ich stelle auch durchaus fest, daß ab und an durchaus mein Stempel bei der einen oder anderen Produktion drauf kommt. Das hat aber alles nichts damit zu tun, daß die Bands uns kopieren würden, das sind schlicht kleine Finessen.“

Zum Thema, sich in irgendetwas selbst wiederzufinden, hat der Musikus noch einen schöne Geschichte auf Lager. „Ein Fan hat mir ein Buch zugeschickt, zu dem er sich durch einen unserer Songs inspiriert gesehen hat. Das ist für einen Künstler wie ein Ritterschlag – ein tolleres Kompliment kann man eigentlich kaum bekommen, als das, auch andere zu inspirieren.“ Kommen wir nochmal darauf zurück, was Simon zum Rock und Metal meinte: „Der Metal ist in vielen Bereichen ausgereizt – es geht doch gar nicht mehr schneller, epischer, voller. Der ganzen Sache täte mal ein Schritt zurück ganz gut.

Metal war immer dreckig und gehört in einen Club und keine Stadthalle. Die Leute wollen was fernab des großen Kommerzes, sind des Mainstreams leid. Die Menge an Festivals hat natürlich auch noch dazu beigetragen, daß das Ganze immer größer und größer wurde. „ Stimmt irgendwie schon. Waren es früher Wacken, das Bang Your Head, With Full Force, Dynamo und sann Superkracher wie Rock In Rio, sprossen mittelgroße Festivals in den letzten Jahren/ Jahrzehnten wie Unkraut aus dem Boden. WasK leines ist kaum noch dabei und jeder will mal, so scheint es.

„Fans in der Metal-Szene stehen hinter einer Band. Schau dir doch die Pop-Szene mal genauer an: Die verkaufen doch fast nichts…“ Und doch springen auch feste Bestandteile der Metal- oder auch Gothic-Szene auf den Kommerz-Zug auf, hüstl. „Tja, das ist eben die Frage, die man sich stellen muß: Nehme ich die Kontaktlinsen raus und wische die Schminke ausm Gesicht und bleibe ich Goth.“ Und nein, wir wissen natürlich alle nicht, wer gemeint ist. Nun, jeder hat seine Gründe für seine Entscheidungen. „Viele trauen sich auch kaum etwas Innovatives. Inspiration zu finden ist ein hartes Stück Arbeit, ich höre mir da teilweise ganz andere Musik an als gewöhnlich, fremdartiges Zeug. Während dieses Prozesses bin ich wie ferngesteuert, mache tausend Notizen und muß mich dann auch dazu zwingen, mich mit Dingen zu beschäftigen, die eben sonst nicht an der Tagesordnung sind. Und vor allem muß man sich dabei von dem Gedanken lösen, daß etwas schlecht und etwas gut ist. Schlechtes gibt es in diesem Moment nicht.“

Doch kommen wir doch noch mal zu Eisheiligen Nächten, die ich bei meinen Fragen bisher echt etwas vernachlässigt habe – man verplaudert sich einfach zu schnell, wenn spontan weitere interessante Themen parat liegen. „Die letzten Jahre haben wir auf viele Hits bei diesen Abenden verzichtet, aber diesmal wird es eine echte Hit-Kanone geben. ‚Veitstanz‘ und ‚Kleid aus Rosen‘ haben wir zudem neu komponiert und werden die beiden natürlich auch vortragen. Ich muß dazu sagen, ich höre natürlich alle unseren Platten täglich und.. nee, lach, Quatsch. Wir sind da recht radikal: Wenn uns einer unserer Songs nicht mehr so gefällt wie er ist, tüfteln wie dran rum. CDs sind sowieso nur eine Momentaufnahme, doch Kunst und Songs entwickeln sich weiter.“

Und merkt noch lapidar an „… während manche eben bei einer Akustik-Tour ein großes Schlagzeug durch ein kleines und die E-Gitarrren schlicht durch Akustik-Gitarrenersetzen“… EV

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