Subsignal – Schnell da, schnell wieder weg, konservative Fortschrittler und induktive Lyrics

Die Songs auf „The Beacons Of Somewhere Sometimes“ drehen sich allesamt um die Themen unvorhergesehener Veränderungen, Verluste und, und, und… „Natürlich liegt dem auch ein Auslöser zu Grunde. Markus´(Steffen, guit) Mutter ist verstorben, sein Vater etwas früher bereits – Markus ist ein sehr emotionaler Mensche und er schreibt auch die Texte bei Subsignal. So Themen wie die Flüchtlingsthematik oder politische Sachen sind nicht so seins. Er verarbeitet in seinen Texten. Er steht nun allein in der Welt da, ohne Eltern, seine Ehe ist im Eimer – daher dreht sich hier viel um das Thema Verlust. Und wo kann man besser verarbeiten als in und mit der Musik?“

Manch einer mag vielleicht die Nase verächtlich rümpfen und Unverständnis walten lassen, ob der Tatsache, daß es sich eben nicht immer nur um globale Themen drehen kann. Dabei ist doch eigentlich nichts globaler als die Gefühlswelt, das Menschliche. „Diese menschlichen Themen müssen auch behandelt werden, nicht immer nur globale Anprangerungen etc. Schließlich entstehen diese ganzen globalen Problematiken ja auch aus dem kleinen Menschlichen, dem Emotionalen.“ Im Kleinen wie im Großen und wo aus nicht verarbeiten Dinge eben große Alben werden, werden anderswo kriegsgeile Soziopathen draus.

subsignal_foto_02_72_dpi„Vor allem finde ich es wichtig, diese Themen auch zu beachten, mit den ganzen anderen Sachen wird man ja regelrecht zugeschüttet. Ich habe diese ganze Zeit mit Markus miterlebt, habe versucht, ihm zu helfen – soweit man das eben kann und es auch zugelassen wird. Ich mußte mich natürlich auch in die Texte einfinden, mich einleben, schließlich singe ich sie ja auch. Logisch sind wir in der band auch Freunde, was aber nicht immer so war. Das haben wir aber wohl Gott sei Dank hinter uns“, hakt der Sänger das Thema nur beiläufig ab. Na, es hängt eben auch vom Ergebnis ab, ob man etwas hinter sich lassen kann oder eben nicht.

Dabei kommen wir auch auf die Thematik des Sich-Öffnens – was nicht nur wichtig ist, andere zu verstehen, Musik zum Beispiel an sich heranzulassen, sondern auch, um sich selbst auszudrücken. „Schau Dir doch die Welt mal an… Die meisten hocken nur am Handy und Facebook, sind in sich gekehrt und kaum einer kann sich noch wirklich ausdrücken. Mit Stickern ja, aber mit eigenen Worten? Ob man bei CDs richtig hinhört oder nur mal eben schnell rein und dann wieder weg… die Technik hat das Menschsein schon sehr untergehen lassen. Es ist sehr kalt geworden in der Welt.“

Ob das auch mitunter an der Informationsflut liegt, die man freiwillig oder unfreiwillig jeden Tag verdauen muß? „Vielleicht liegt es daran – wenn man bedenkt: Was wir heute an einem Tag allein visuell aufnehmen und an neuen Eindrücken bekommen, hatten die Leute im Mittelalter auf einen Monat verteilt. Man wird doch eigentlich den ganzen Tag durch mit Infos und Reizen bombardiert. Wenn ich da an meine Arbeit denke, wie viele unwichtige Infos da in acht Stunden zusammenkommen, ist schon sagenhaft.“

Dabei kruscht der gebürtige Niederländer natürlich auch im Netz rum. „Logisch gebe ich mir auch immer wieder Infos und News, ich will ja auch wissen, was in der Heimat so los ist. Aber was da manchmal unter Posts für ein Scheißdreck steht. Und trotzdem meint man, man muß das jetzt lesen. Und ich erwische mich manchmal selbst dabei, daß ich eher die Kommentare lesen will als den ganzen Artikel, frag mich nicht, warum das so ist. Aber so scheinen die Leute allgemein drauf zu sein.“ Naja, bietet sich doch an: Man liest die Headline, bekommt den ungefähren Inhalt und gleich fertige Meinungen anderer und Gemaule in einem, hat also x Halb-Infos, baut sich was zusammen und kann damit am Stammtisch glänzen, als wäre man furchtbar gut informiert. „Hihihi, ja vielleicht ist das echt so. Eine Art Effizienz, könnte man schon fast sagen.“

Und zum Thema Effizienz: „Laut Markus wird, neben den Tourplänen, schon ganz fleißig am nächsten Album geschrieben.“ EV

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