Solar Fake – Fatalistisch ein Schnippchen geschlagen? Oder: Wenn der Zeigefinger einfach nervt

Wobei das Wörtchen egal für Sven logischerweise nicht auf seine Songs zutrifft. Wär ja noch schöner. „Ich muß ehrlich sagen, sobald einer durchs ‚Raster‘ fallen würde, mich selbst also nicht so berühren würde, wie die anderen, würde er nicht aufs Album kommen.“ Und nachdem Sven recht allein auf weiter Flur am Song-Material feilt, kann man auch leider nicht von großen Katastrophen und Irrungen erzählen. Oder er gibt´s einfach nicht zu, hehe. „Viel Kurioses ist nicht passiert, echt nicht. Als Teil einer Band – da hätte man größere Chancen auf das eine oder andere Fettnäpfchen oder sonstige Dramen – bei mir sind´s dann eben nur kaputte Mikros.“ Ja, genau. Aber ein ‚ich verrat nichts‘-Lachen hinterherschieben. Die Zeiten mit Zeraphine und Dreadful Shadows sind ob des Erfolgs von Solar Fake für den Musiker dabei nicht abgehakt, jedenfalls nicht in jedem Sinne.

„Diese Zeiten mögen gut und gerne einer der Gründe sein, warum es nun mit Solar fake so gut funktioniert und läuft. Die Fehler der Vergangenheit – ich habe eben draus gelernt. Aber: Bei Zeraphine waren es gar nicht mehr so viele Fehler!“ Und wieder dieses Gegrinse. „Wir hatten mit beiden Bands eine Menge Spaß und ein bißchen Erfolg kam auch dabei rum. Hätte ich diese Erinnerungen und Erfahrungen nicht gemacht, weiß ich nicht, ob ich für und mit Solar Fake noch eine solche Motivation gehabt hätte.“ Und einige Leutchen hören diese Art von Musik ja nach wie vor gern, ist ja nicht so, daß man ungehört im Keller versauert.

„Daß es die Szene nach wie vor gibt und eine Menge Leute diese Form Mucke hören, finde ich gut. Weniger toll finde ich allerdings, daß man kaum innovativen Nachwuchs findet. Wobei ich wahrscheinlich gar nicht so wirklich groß mitreden kann, denn ich bekomme in erster Linie ja nur mit, was unser Publikum so denkt und bewegt. Und unser Publikum umfaßt nicht nur Leute aus der Düster-Ecke. Nicht schaden würde es sicher, wenn es außer dem Netz noch ein anderes massenkompatibles Medium geben würde, mit dem man der Popularität dieser Musik auf die Sprünge helfen könnte. Wenn ich an die 15 Jahre zurück denke und an HIM – das war einfach ein Phänomen, daß auch andere Bands angespornt und mitgezogen hat.

Aber die Youngsters von damals sind nun auch schon 30 Jahre plus, da stehen Job und Familie vorm Weggehen. Die Krux mit dem Internet ist eben, daß solche Phänomene wie angesprochen, hier kaum stattfinden können, weil einfach alles zu kurz- und schnellebig ist, man sich alles an seinen Geschmack anpassen kann, den man schon mitbringt.“ Klar, daß man sich da kaum mehr so inspirieren und auf Neues bringen läßt. Wer sich heute nur noch dem Mainstream hingibt, weiß ja gar nicht, was es fern des Tellerrands noch an spannenden Sachen zu entdecken gibt.“

sf 2Diese ganze Genre-Aufteilerei ist dabei auch nicht unbedingt hilfreich. Und nicht selten sind sie zudem irreführend und einfach beschneidend. „Mich hat diese Genre-Zuteilerei noch nie interessiert und besonders, wenn man grad am Anfang als Musiker steht, engt man sich damit selbst ein. Noch bevor man mit dem Schreiben eines Songs beginnt, hat man sich schon beschnitten. Logisch, andererseits ist es ganz praktisch, Schubladen und Kategorien zu haben, um jemanden etwas zu erklären oder näher zu bringen.“ Sven hält es für sich mit diesem Thema ganz einfach und prägnant.

„Ich antworte immer, wenn mich jemand nach der Musik, die ich mache, fragt: ‚Elektronische Mucke mit Gesang.‘ Ich denk zwar nicht, daß das ein echtes Genre ist und kein Mensch kann sich wirklich was drunter vorstellen. Würde ich alles an Instrumenten etc aufzählen, was ich verbrate und benutze, würde das auch kaum weiterhelfen. Hm, vielleicht sollte man sich lieber Musik anhören anstatt lustige Bezeichnungen für sie zu basteln.“

Furztrocken kommt auch der nächste Satz: „Ob man einen anderen Blick auf die Welt braucht als Künstler oder nicht: Die Wahrheit ist dich, daß man wenigstens überhaupt erstmal einen Blick darauf braucht. Über was sollte man sonst schreiben, was zeichnen?“ Also, Möchtegern-Künstler, bitte die Kartoffeln von den Augen. Lol. „Ich bin schon der Meinung, daß Künstler den Hang haben, über alles Mögliche zu philosophieren, während andere eher auf das achten und sich damit beschäftigen, was nur allein ihr Leben und ihren Alltag bestimmt. Das ist ja vollkommen okay.“ Und merkt dabei auch an, daß es wohl Schnitt- bzw Berührungspunkte geben muß:

„Sonst würde sich keiner für Kunst interessieren. Ich für meinen Teil habe meinen bestimmten Blick auf Menschen, der vielleicht oft recht oberflächlich ist – aber eben auch nicht konsequent kompatibel mit dem Blick, den viele, wenn nicht zu sagen, die meisten anderen Menschen haben. Ist mir aber egal und macht mir nichts aus.“

Auf jeden Fall ist aber die Art von Spitzfindigkeit und Humor absolut kompatibel mit unserer Schreiberei 😉 Oder etwa nicht? EV

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