Schopenhauer erklärt: Der beherrschende Gedanken an Liebesbeziehungen in Kunst und Literatur

„[…] so daß für ihre Befriedigung unbedenklich das Leben gewagt, ja, wenn solche schlechterdings versagt bleibt, in Kauf genommen wird“. Schopenhauer betrachtete es mehr als verwunderlich, dass sich Philosophen kaum der Tatsache zuwandten, weshalb eben jenes Thema alle Dichter verschiedenster Kultur bewegt. Ein Thema, das ganze Menschenleben prägt, bewegt und von derart großer Rolle ist. Dabei findet auch die homosexuelle Liebe, deren Ausprägung im antiken Griechenland etwa, ihre Erwähnung, doch dazu später.
Bei Schopenhauers Arbeit und seinen Gedanken zu dieser Tatsache traf er auch bei den Poeten selbst nicht unbedingt auf Verständnis.

Schopenhauer entmystifiziert bei seiner Beleuchtung über die Hingabe der Kunst und insbesondere der Literatur an Liebesgeschichten und deren Beschreibung in so vielen Facetten die Vorstellung der ‚großen‘ Liebe, der einzigartigen Leidenschaft als etwas, das er schlicht als einen übergeordneten Willen bezeichnet. Die Natur gaukle dem Menschen das Gefühl einer selbst getroffenen, absolut individuellen Geschichte, eine Gunst an seinen amor und psycheEgoismus vor, um so ihr tatsächliches Ziel zu erreichen. „[…] egoistische Zwecke die einzigen sind, auf welche man mit Sicherheit rechnen kann“.

Der Mensch muss geschickt getäuscht werden, um so den Zweck seiner Gattung zu erfüllen. Der Mensch muss das Gefühl haben, seine Individualität sei das, was zähle, nicht das ganze Wohl der Gattung.
Auch wenn die Meinung vorherrsche, der Mensch habe kaum mehr einen Instink… Der wahre Zweck, der Wille der Gattung zum Leben, sei verhüllt vom individuellen Schönheitssinn eines jeden Einzelnen. Der eigentliche Geschlechtstrieb wird hier-durch befriedigt, dem „komplizierten Instinkt […] der so feinen, ernstlichen und ei-gensinnigen Auswahl des andern Individuums zur Geschlechtsbefriedigung“ Genüge getan.

Dabei sucht das Individuum immer nach der größtmöglichen Vollkommenheit in der Gesamtheit bei der Auswahl des anderen Individuums. Der Instinkt lässt einen also den Menschen zur Befriedigung seines Geschlechtstrieb aussuchen, der ihn am besten zu größtmöglichen Vollkommenheit des zu entstehenden, neuen Lebens verhilft.Schopenhauer beschreibt das Entzücken beim Anblick des geliebten Gegenübers als das Vorspiegeln des höchsten individuellen Guts, das aber doch dem Willen der Gattung folgt.

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