Robert Wilson: „Ihr findet mich nie“

Die Story liest sich erstmal nicht unbedingt wie der Auftakt zu einem komplexen und spannenden Krimi: „Charlie Boxer ist der Beste, ein gesuchter Spezialist, wenn es um hochkarätige Entführungen geht – doch sein Familienleben ist ein Trümmerfeld, seine Ehe seit langem geschieden, seine siebzehnjährige Tochter Amy eine Fremde für ihn. So trifft es ihn völlig unvorbereitet, als Amy eines Tages spurlos verschwindet. Und in ihrer einzigen Nachricht an die Familie schwört sie, für alle Zeiten unauffindbar zu bleiben. Denn als Tochter einer Polizeikommissarin und eines Spezialermittlers weiß Amy, wie man Spuren verwischt. Doch Boxer lässt nicht locker. Endlich, nach langer Suche, findet er einen ersten Hinweis auf Amys Aufenthaltsort und

Ihr findet mich nie von Robert Wilson
Ihr findet mich nie von Robert Wilson

reist nach Madrid – um dort die Ermittlungen im schlimmsten Fall seiner bisherigen Laufbahn aufzunehmen …“

Wilson geht diesen Roman dabei zügig, doch auch logisch an und läßt den Leser zuerst einmal einen eingehenden Blick auf die Hauptcharaktere werfen – und reißt so bereits auch so manche Vermutungen wach, wieso sich Amy aus dem Staub gemacht haben könnte. So steht die Kindsmutter Mercy der neuen Frau an Charlie´s Seite nicht unbedingt vorbehaltlos gegenüber, betrachtet die ganze Sache eher mit skeptischen Augen – um sich im Laufe der Geschichte sicher nicht als die perfekte Mutter heraus zu kristallisieren, die sie so gern wäre. Charlie selbst hat diese neue Liebe im Laufe der Ermittlungen in einem Entführungsfall gefunden und irgendwie scheint ihn die Thematik verschwindender Menschen immer wieder zu verfolgen.

So verschwand auch sein Vater aufgrund eines Verdachts auf Nimmerwiedersehen. Das dies nicht ohne Folgen auf die Psyche und die daraus resultierende Handlungsweisen Charlie´s gegenüber seine Tochter hatte, liegt auf der Hand. Wenig bis kaum Freiraum… Aus der nahen Vertrauensbeziehung zwischen Amy und ihren Eltern wurde eher ein Trümmerhaufen, ihre Bezugsperson wurde Charlie´s Mutter.
Sehr klasse geschrieben und stets nachvollziehbar, dennoch komplex ist die Entwicklung der einzelnen Personen, die kleinen Hinweise und auch „Enten“ hin zur Auflösung, die einen wirklich überrascht. Wilson hält sich dabei nicht Plattitüden auf, überfrachtet seine Geschichte und die Protagonisten nicht – menschlich, realistisch dargestellt weiß der Autor auf jeden Fall, welche Knöpfe er mit seinen gewählten Worten drücken muß, um beim Leser Spannung zu erzeugen und dabei glaubwürdige Akzente zu setzen. Robert Wilson arbeitet sich geradlinig, wohl durchdacht und dennoch progressiv durch diese Geschichte – wer Thriller und Krimis der komplexeren Art, aber fernab abgespacter Theorien mag, wird dieses Buch lieben. (Goldmann) EV

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