Philipp Meyer; „Der erste Sohn“

Inhalt: „Eli McCullough ist der erste Sohn der neuen Republik Texas, die am 2. März 1836 gegründet wird. Seine Eltern gehören zu jenen Siedlern, die sich in Indianerland vorwagen, ein Paradise, das alles verheißt – nur keine Sicherheit. Bei einem Comanchenüberfall wird

Der erste Sohn von Philipp Meyer

die Familie ausgelöscht. Eli wird verschleppt und wächst bei den Indianern auf. Als diese dem Druck der Weißen nicht mehr standhalten können, kehrt er zurück in eine ihm fremde Welt. Mit Härte gegen sich und andere, mit Cleverness, Skrupellosigkeit und Wagemut begründet er eine Dynastie, die durch Viehzucht und Öl zu immensem Reichtum kommt. Doch Eli´s Nachkommen drohen an seinem Vermächtnis zu zerbrechen.“

Autor Philipp Meyer hat sich nach seinem Roman „Rost“ einem Teil der Gründungsgeschichte der heutigen Vereinigten Staaten zugewandt und mit „Der erste Sohn“ ein wahrhaft meisterliches Werk abgeliefert. Die Grenzen zwischen historischem Realismus und persönlichen, seelischen und nur allzu menschlichen Entwicklungen und Belastungen vermengen sich zu einer tiefsinnigen, ungeschönten Mélange, die man nicht nur als Freund dicker Bücher oder als Geschichts-Freak lesen sollte.

Philipps´s Händchen für reale Darstellungen du bild-starke Formulierungen ergänzt die Geradlinigkeit der Story und seiner Abhandlung wunderbar – läßt gleichzeitig Raum, um sich über die damalige Zeit und der ihr eigenen Härte wie auch die Unbeugsamkeit der Natur Gedanken zu machen, als auch die eigene Vorstellungskraft fließen zu lassen. Dabei versteht es Philipp ebenso klasse, die Charaktere so zu zeichnen, daß im Grunde vielleicht nachvollzogen werden kann, dem Leser wird eine mehrfache und springend e Art des Indentifizierungsmöglichkeiten geboten.

Ebenso ist dieser Roman auch lehrreich, sei es in Hinsicht auf Sitten und Gebräuche der Indianer, doch auch pralle Brutalität wird nicht geschönt und auch nicht wenig Blut wird gelassen. Dieses Buch hebt keinen belehrenden Finger und steckt diesen in moralische Wunden, deutlich reihen sich Tatsachen und Respekt vor der Natur und auch die nüchterne Folge von Machtverhältnissen aneinander. Keine „Seite“ wird als gut, keine als nur böse dargestellt: Vielmehr wird deutlich, daß jeder Menschen, egal welchen Volkes, welcher Rasse auch an sich zu allem fähig ist und Beweggründe, Anforderungen und eingeschlagene Wege, so mannigfaltig wie die Menschheit selbst, rein menschlichst und individuell zum Versagen, vermeintlichen Siegen und auch zum Verhärmen führen können.

Auch das Zusammenfließen der Kulturen spielt eine Rolle, wie besonders am Hauptcharakter des Eli deutlich wird: So bleibt für diesem Roman, neben aller Spannung und einem wirklichen Kraftakt des Autors, noch eines anzumerken: Nicht hinterläßt wirklich keine Spuren. (Knaus) EV

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