Operation: Mindcrime – Was manche nicht zu schätzen wissen…

Mit Operation: Mindcrime hat Ex-Queensryche-Sänger Geoff Tate ein neues Faß aufgemacht – sozusagen. Natürlich namentlich an das 1988er Kultalbum angelehnt, steht nun ein komplettneues Baby von Geoff Tate am Start, bei dem ihm unter anderem auch Kelly Gray, ebenfalls ein früherer Mitstreiter Queensryche´s, zur Seite steht. Wer nun meint, man möge hier einen Konkurrenz-Kampf mit der op 1früheren Band anfangen, wird schon nach den ersten Klängen des Erstlingswerk „The Key“ wissen, daß der Hase so nun mal nicht läuft. Natürlich, allein die Stimme ist unverkennbar und selbstredend werden Erinnerungen an Tracks wie „Silent Lucidity“, „Gonna Get Close To You“ etc an manchen Stellen wach. Allerdings ist es dieses gewisse Etwas in der Stimmung, der Aufmachung der Songs, die es einem jedes Mal eiskalt den Rücken runterlaufen läßt.

So, nun hatte ich also die Möglichkeit, nervöser Vogel wie ich nun mal bin, mit Geoff zu quatschen und so sollte es dann auch sein. „Die meisten Reaktionen, die ich bisher erhalten habe, sind natürlich von der Presse“, beginnt Geoff, nachdem ich wissen wollte, ob er denn bisher so im Großen und Ganzen zufrieden sei. „Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall komplett zufrieden, das hat aber weniger mit den Reaktionen zu tun. Klar, es ist nun einfach auch die Zeit, in der die ganze Sache anrollt und naja… wir werden sehen, was noch kommen mag. Wir haben eine gute Zeit.“‘

Hinter „The Key“ und Operation: Mindcrime verbirgt sich die Grundidee einer Trilogie, doch keine Angst: Nach dem dritten Teil soll noch lange nicht Schluß sein, wie der Sänger entspannt zum Besten gibt. „Ich mochte die Idee dieses Albums und der Story dahinter von Anfang an. Es dreht sich dabei im Grunde darum, was der Mensch tun würde, hätte er den Schlüssel zu einer anderen Welt. Würde er alles besser oder schlechter machen. Als ich letztes Jahr auf einem längeren Trip, so um 500, 600 Kilometer Strecke, durch San Diego unterwegs war, festigte sich diese Idee und konnte in meinen Kopf reifen. Zurück in Seattle hab ich mich natürlich OPERATION MINDCRIME tk COVERgleich ans Werk gemacht und habe begonnen zu schreiben. Manchmal ist einfach die richtige Zeit – und das war sie.“

Der nachdenkliche Blich auf die Gesellschaft scheint zur Zeit wieder im Mode zu kommen. Daß es eine Neu-Auflage von „War Of The Worlds“, also dem Original geben wird, hat damit nun nur am Rande was zu tun und ist eher auf den Stempel „Klassiker“ zu schieben. Doch so sehr auch Filme etwa wie „Equilibrium“ begeistert haben, aber doch etwas über den Realitätsbezug dramatisierten, interessieren sich immer mehr Leute für Sächelchen wie z.B. Georg Orwell´s „1984“. Ein herrlich zeitloser Film über das gefährliche Potential der totalen Kontrolle durch den Staat. „Ich habe den Eindruck, daß die Leute mittlerweile einen anderen Blick auf die Realität bzw deren Spiegel werfen wollen. Nicht mehr unbedingt so das komplett realitätsferne Richtung Science Fiction und Fantasy. Natürlich stecken auch Betrachtungsweisen der Realität drin, aber sie erscheinen eben auch wieder absolut surreal.

Man kann fasziniert auf die Realität schauen und neugierig hinterfragen, Szenarien durchspielen. Jeder betrachtet die Realität auf seine Art (kleiner Tip am Rande: Der Film ‚Reality XXL‘). Ich denke, je glaubhafter und wahrscheinlicher etwas dargestellt wird, umso mehr eröffnet sich eine These, eine Gedankenspielerei der Person. Wohin der Trend allgemein aber gerade geht, ist schwer zu sagen, manche wollen eher gar nicht so direkt auf etwas gestoßen werden.“ Gehen wir mal zurück ins Jahr der Queensryche-Veröffentlichung „Q2K“ – von Fans wie Kritiker nicht unbedingt geliebt. Vielleicht seine Zeit voraus, man weiß es nicht. Bedenkt man aber, daß Kelly Grey auch damals seinen Einstand bei Queensryche gab, nun mit von der Partie ist und auch die Produktion übernommen hat, kann es wohl kaum an der Tiefe und Qualität der Songs damals oder eben ihm gelegen haben.

„Kelly ist einer meiner besten Freunde, seit 1997, puh… Es ist einfach großartig, mit ihm zu arbeiten. Ich für meinen Teil bin einfach ein Geschichtenschreiber. Es basiert natürlich alles auf Lebenserfahrung, das Leben ist dynamisch, es tun sich viele verschiedene Emotionen auf und insofern ist ein Album für mich, um ehrlich zu sein, mehr wie ein Film, Songs wie Szenen daraus. Sie sind Entdeckungsreisen, die verschiedene Emotionen transportieren sollen – das ist für mich die Basis eines Albums. Und ich bin irgendwie immer am Schreiben – zuerst die Story, dann der Sound drumherum. Ich finde ‚The Key‘ sehr gelungen, es ist eine tolle Scheibe mit viel Bewegung drin.“

op 2Tja, viel Bewegung – die macht sich auch in Geoff´s Kopf breit, steht doch bereits das zweite Scheibchen kurz vor der Fertigstellung. In Sachen Scheiben etc versteht sich. „Album Nummer Drei haben wir zu – naja – etwa 95% auch im Kasten. Es ist eine Geschichte, darum sollte es auch zügig in einem Aufwasch fertig werden. Logisch werden die Alben nun aber nicht Schlag auf Schlag veröffentlicht. Mit der Trilogie verschwinden wir dann auch nicht gleich wieder, es wird weitere Alben geben. Was genau die Zukunft bringt, weiß ich natürlich nicht, lach. Nun geht´s ab November erstmal auf die Piste, es gibt viel zu tun.“

Kann man ja gespannt sein, welche Ideen dem Wunderknaben durch die Tour wieder einfallen. „Das Leben ist voller Inspirationen und ich bin glücklich, mein Leben so leben zu können. Musik wirklich als mein Lebenswerk, wenn man so sagen will. Und eines darf man nie vergessen: Steck ein paar Jungs in irgendein Vehikel und schick sie durch die Landschaft: Da ist immer Potential für Chaos und Verücktheiten, hehe. Und natürlich ist es immer wieder großartig, Leute zu treffen – das ist ebenso Inspiration für mich und ich möchte mich mal als einen Menschen bezeichnen, der nach wie logischerweise überrascht werden kann, neugierig ist.“

Dabei merkt Geoff auch an, daß man, auch und gerade als Künstler, auch zu schätzen wissen sollte, was man hat. „Ich fühl mich vom Glück gesegnet, daß ich mein Leben so leben kann, der Musik nach- und auf Tour gehen kann – was eben alles so dazu gehört. Dabei sollte man Verantwortung an den Tag legen, was man als Künstler über das Leben an sich so von sich gibt und wie. Klar, für manche ist das Glas generell halb leer, ich gehöre zur anderen Hälfte. Was man als Künstler rüberbringt und auf welche Art hängt ganz stark vom persönlichen Background ab. Ich bin nun einfach happy, daß das Album fertig und draußen ist – nun geht´s munter weiter.“ Die stolz geschwellte Brust sieht man förmlich durchs Telefon. „Es war eine großartige Erfahrung“, schwärmt der Sänger, „und ‚The Key‘ steckt voller Energie und Kreativität. Vor allem ist es wirklich ein gemeinschaftliches Projekt und ich bin nun mal ein Teamplayer.

Manchmal ist es ein richtiger Kampf, ein Album fertig zu stellen und manchmal gehört es wie von selbst. Dieser Output gehört zu zweiter Sorte, definitiv.“ Im November werden sich Operation: Mindcrime auf Tour durch Europa machen, die Staaten folgen später. „Ja, die Weihnachtsfeiertage bleiben frei – oh je, nach der Tour steht ja schon der nächste Termin: Das zweite Album im September 2016, hehe: Nach der Tour kommt da nochb der letzte Schliff und es wird fertig ‚konstruiert‘.“ Tja, dann wißt Ihr ja schon mal alle Bescheid. EV

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