Las Vegas oder: Disneyworld Reloaded?

Sorry, ich weiß ja nicht, ob es nur mir so geht, aber erstmal von Anfang an: So aus reiner Langeweile und angeregt durch „Mob City“ habe ich mir mal erlaubt, mir ein paar Infos über Las Vegas einzuverleiben. Ja, schön richtig gelesen. Las Vegas und Disneyworld auf einer Seite. Vertraut mir, warum das nur eine logische Frage ist, eröffnet sich Euch noch. Der Umbruch einer Wüste, nix anderes war der Start dieser heutigen Metropole. Wortwörtlich aus dem Boden gestampft und mit einem langen Hang zu einer etwas anderen Handhabung und Gesetz machte sich zuerst Benjamin „Bugsy“ Siegel hier breit und er sollte ja nicht der einzige bleiben. Nun ja, allzu lange sollte seine Freude über das neu erschlossene Geld-Perpetuum-Mobile ja nicht dauern, aber zumindest hat er den ganzen Krampf mal angefangen.

Die größte Stadt im Bundesstaat Nevada war prächtig für die Ideen des durchgeknallten Mobsters geeignet und ganz klar gedieh die Kasino-Landschaft immer mehr. Verrucht, nicht so ganz ohne, immer ein offenes Sprungbrett für Künstler (man denke an Frank Sinatra) hat sich aus einer kleinen Idee ein Sin City entwickelt. Und natürlich ein Magnet für Touristen aus aller Welt. Und war bzw ist es nicht jener Hauch des Verbotenem, des Grenzwertigem, das den Reiz von Las Vegas ausmacht? Blödsinn, wie sofort zu heiraten, Sprüche wie „was in Vegas passiert, bleibt in Vegas“ und, und, und?

Und da kommt sie nun wieder: Die menschliche Gier und anderer Mist. Es vergöttert ja niemand die Zeiten, in denen es vielleicht brachial und brutal hoch ging und ja, ich versteh´s ja irgendwo, daß der Staat nicht so auf Steuerhinterziehung und solche Spiränzchen steht. Alles kein Dingens. Sagt auch niemand was dagegen, daß auch Las Vegas sowas wie Regeln und Gesetze haben sollte. Um die geht es jetzt auch ausnahmsweise mal nicht. Nee, es ist doch zum Heulen, wenn man sich ansieht, was aus diesem „magischen“ Örtchen geworden ist bzw wird.

Daß der gemachte Anfang in Nevada allein schon aufgrund der geologischen Gegebenheiten ein gefundenes Fressen war, ist klar. Nicht zu weit weg und gähnende Leere. Also, Platz für Neues, mit dem man die Gegend zupflastern kann. Die damaligen Gesetze luden ja schon fast regelrecht dazu ein, diese Region einzunehmen. Und bis zu einem gewissen Punkt auch klar, daß hier keiner einfach die Vormachtstellung einem einzelnen, nun nennen wir es mal, Unternehmer überläßt und x Leutchen nachziehen. Soll ja auch für Vielfalt sorgen. Allein, was diese Stadt der Künstler- und Entertainmentbranche gebracht hat, läßt sich kaum beschreiben. Klar, den einen oder anderen hat Las Vegas oder besser die hier wunderbar ausgelebte eigene Hirnlosigkeit ein bißchen ins Verderben gestürzt, aber was soll der Geiz. No risk, no fun, kein Tatendrang.

 

Ist doch wahr, hat doch jeder selbst in der Hand, ob er wirklich der Illusion erliegen will, daß gerade er (oder sie) an Tag X im Mirage oder einem anderen Hotel/ Kasino die Bank schlägt. Erstens soll sowas ja auch vorkommen (irgendwie muß man das Spiel ja am Laufen halten) und zum anderen: Man kann auch mit Spaß verlieren, es tut ja nicht zwingend Not, daß man sich gleich ruinieren muß. Außer vielleicht man braucht seine tägliche Dosis Mitleid und so hätte man ja wenigstens einen Grund dafür. Sei´s drum. Faszinierendes Las Vegas, Punkt. Und was einem hinter den Kulissen abschrecken mag, ist vielleicht für wieder Andere der Reiz.

Auch ganz klar, daß das Rotlichtmilieu hier ganz unbedingt weit weg verbannt ist, jaja. Was wär das denn? Ein Sündenpfuhl ohne das? Das macht doch absolut keinen Sinn, ob man nun Besucher solcher Etablissements ist oder nicht. Das gehört wie das Domino-Eis zum Kino, die Hundekacke in den Park und der tägliche Fingerklapps für Politiker. Das muß einfach, ohne fehlt was. Und jetzt kommen wir zum Hohn und Beweis, daß der Mensch an sich ein Rindviech ist (nicht Rindvieh, damit bezeichne ich die huftragenden Tierchen, also VieCh). Weil so geht das nämlich null. Nein. Nee nee. Böse Spielhölle (pfui) und ein bißchen Sex-Appeal ein bißchen übertriebene Party, ein bißchen hart an der Grenze, Kreativität, die aus sich selbst entsteht, um in Vegas als Unternehmer zu bestehen – kurzum: Der Rock´n´Roll paßt nicht zum Tourismus. Ätsch, da hamma den Salat.

Alles schön und gut, ich glaub, niemand will unbedingt, daß sein kleines Kindilein lauter kaum bekleidete Damen rumfetzen sieht. Und Chips sollten in dem Fall auch nicht aus Plastik sein und einfach eine Nascherei. Wenn´s denn in einem gewissen Alter überhaupt schon sein muß. Sind wir mal ehrlich: Würden wir mit einer Metropole der Wissenschaft und der Kultur prahlen, würden wir unseren Touristen auch keine Slums um die nächste Ecke rum präsentieren wollen. Nur so als Beispiel.

Aber was ist das denn? Welcher Depp macht den einen Familienausflug in Las Vegas? Mal ehrlich: Weltenbummler, Vollzeit-Chaoten, Geschäftsleute, Singles, Partygeier, professionelle Spieler, Künstler… aber doch keine Familien mit Kindern. Das wär das Gleiche, als würde man seine Brut zusammensammeln und zu Tui sagen: „Also, wir wollen jetzt in Kriegsgebiet XY Urlaub machen und sie sorgen dafür, daß die da derweil mitm Kriegspielen aufhören“. Sorry, der Vergleich hinkt, aber genau deswegen paßt er. Las Vegas soll touristen- bzw familienfreundlicher werden, eigentlich ist das ja schon der Fall. Klar, gewisse Abgrenzungen sollten schon zum guten Ton gehören, aber das ist mutet ein bißchen an, als wolle man das Geld und das aufgesetzte Entertainment-Gelache irgendwelcher Showgirls behalten und heile Welt spielen.

Und da kommt der nächste Denkkanal-Krampf: Wie doof und kurzsichtig muß man sein, wenn man genau das an einer Sache abschaffen oder immens verkleinern will, was eben das bekannt und einzigartig gemacht hat. Ergo soll heißen: Liebe Touristen, schön, daß ihr da seid, ihr dürft bleiben, Las Vegas gibt´s jetzt nur noch ab FSK 6, aber wurscht. Liebe Unternehmer, anpassen oder pleite gehen, liebes Las Vegas, gut daß du dich nicht im Grab umdrehen kannst. Es hat so einen Hauch von… Falschheit. Man könnt´s auch mit der ein oder anderen Umwälzung im Musikbiz vergleichen: Erst eine Band durch ihre eigenwillige Art und Inividualität groß werden lassen, warten bis die Fans sich festgebissen haben und die Band dann stutzen – damit man kommerziell eine noch breitere Masse erreicht.

Aber was soll´s andererseits: Als Kiddi kann man noch gespannt drauf sein… auf den ersten Rausch, die erste Zigarette oder whatever. Und da sich in wohl zehn Jahren kaum einer mehr einen größeren Urlaubstrip leisten kann, können die Kinder von heute dann wenigstens morgen sagen: „Wie, einem Besuch in Vegas entgegenfiebern? So ein Schmarrn, Micky Mouse kenn ich schon.“

 

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