Jutta Weinhold – Das ewig lodernde Feuer und die vergessene Kunst oder:

Ich singe bis ich beim hohen C platze

jut2Bei vielen sollten bei diesem Namen die Ohren ganz laut klingeln und Fans werden sich wehmütig an die CDs die Jutta Weinhold mit Zed Yago und Velvet Viper herausgebracht hat, denken. Beileibe ist das noch lange nicht alles, was die Lady im Laufe ihrer Karriere alles gezaubert hat und zeigt an sich lediglich einen Ausschnitt ihrer Kreativität, der Hingabe an die Musik und den spritzigen Rock´n´Roll-Elan.

Unterwegs ist die Rockröhre und auch Schriftstellerin („Die Tochter des Fliegenden Holländers auf der Suche nach der verlorenen PhantaSIE“) vor allem mit der Akustik Randale und den musikalischen Lesungen – doch dazu bekommt Ihr hier nun mehr Input. Und es ist absolut beeindruckend, wieviel Feuer Jutta nach wie vor an den Tag legt.
„Ich habe mich 69 für die Rockmusik entschieden und dabei ist es geblieben.“ Okay, basta  Und dabei malt sie alles in einem realistischem Bild. „Die Musik, das Singen, die Bühne und das Publikum sind meine Leidenschaft, wobei ich natürlich einwerfen muß, daß es auf und ab in meinem Leben ging. Auf der Achterbahn öfters runter aber manchmal auch rauf. Das muss man akzeptieren. Dieser Beruf ist immer ein Risiko und man muss das wissen.“ Mögen zwar manche Kids, die heute noch von der Musik-Karriere schlechthin träumen, nicht wahrhaben, aber der Boden der Realität ist immer da. Mal später, mal früher. Und dabei kommt die Künstlerin auch auf die kleinen Unterschiede an – eben Früher und Heute.

„Materielle Sicherheit gibt es nicht. Als ich 1975 mit Bands anfing gab es viele Clubs in denen man für Gage spielen konnte. Das Publikum war sehr an eigener live Musik interessiert und so konnte man davon leben, wenn man sparsam war“, und lacht. „Heute tun mir die jungen Bands leid, denn diese Chancen gibt es nicht mehr und viele Musiker müssen einen anderen Beruf ausüben, der sie ernährt und das finde ich ziemlich traurig. Kunst rückt dann in den Hintergrund und so geht viel kreatives Talent verloren. Schade!“

jut1Wie wichtig es ist, sein Talent auch zu erhören, die eigene Kreativität sprechen zu lassen, weiß Jutta nur zu gut. In einer Zeit, in der alles nur noch gehetzt und schnellebig unterwegs ist, man von einem Ärger in den nächsten Streß huscht und sich dabei oft selbst verliert, kann das der rettende Anker sein. So auch ihr eingangs erwähntes Buch, das Euch von mir sehr ans Herz gelegt sein soll.
Und so kommt ganz nüchtern und deutlich: „Mich hat das Schreiben damals 1990 von Drogen und Alkohol gerettet. Kreativität ist ein Zauberwort und ich kann es nur so weitergeben.“ Dabei schwenkt Jutta auch auf eine etwas mißverstandene Form der Kreativität um: So sollte man doch das eigene Schaffen und das Imitieren ganz klar unterschieden – denn; Nicht alles, was dargebracht wird, ist auch als Kunst zu verstehen. „Jede Kunst fängt mit der Kreativität an und junge Musiker sollen nicht mit Cover-Songs ihre Karriere starten. Das Original ist das einzige was zählt, wenn man es ernst meint.“

Nun ja, wirkliche Liebe zur Musik dürfte es kaum sein, wenn man sich nur bereits bekannten Songs widmet und so auf den sicheren Ast sitzt: So kann man sich auch schnell einen Namen machen – doch wenn´s daran geht, sein Können, Leidenschaft und Kreativität zu beweisen, trennt sich die Spreu vom Weizen. Jutta ist dabei der Typ, den die eigene Hingabe an die Musik schier wegbläst, wie sie erzählt: „ Wie schon gesagt: es ist meine bedingungslose Liebe zu meiner Musik, die mich auch jetzt noch dermaßen bedient, dass ich fast wegfliege. Und wenn wir Gigs bekommen und das Publikum begeistert ist, dann bin ich glücklich und gewappnet für alles andere…“

Tja, das eigene Schaffen kann einen schon beflügeln. Kennt man sogar bei Sportlern – das, mehr oder weniger, bekannte Flow-Syndrom. Und wie hat es Jutta so allgemein erwischt? „Ich habe in den 60ern diese Musik zum ersten Mal gehört und das war´s. Die schönsten Momente waren die, als ich gemerkt habe wie ich mich entwickelt konnte…von Null auf ……. Vor allen Dingen der Moment, wo der Funke zum Publikum überspringt.“ Dabei sind es auch diese Momente, die einen schwierige Zeiten überstehen lassen können.

„Ich hatte auch finanziell schwierige Zeiten, aber das hat nicht gestört sondern bestärkt. Jetzt erst recht! Vor allen Dingen hat es mich abgehalten dem Materialismus zu verfallen.“ Eins zu Null. Wieviel Musiker und Künstler sind da schon reingefallen und aus war´s mit den kreativen Köpfchen. Die Bequemlichkeit und Ruhmgeilheit hat sich breit gemacht…. Anstatt gemäß dem Motto ‚The Sky´s The Limit‘ weiter neugierig, wißbegierig und lernfreudig zu sein. Wenn die Kunst ihren Reiz für einen verloren hat. „Das gibt es nicht für mich. Ich singe bis ich beim hohen C platze.jutgr Dabei ist es meiner Meinung nach auch immer eine Frage der Phantasie und ganz sicher auch des Talents.“

Dabei hat die Vokal-Akrobatin auch einen ganz schlichten Rat für Musik machende Küken: „Macht die Musik, die Eurer Mentalität entspricht und laßt Euch nicht von Mainstream-Aspekten verleiten. Ich für meinen Teil hoffe und wünsche mir, daß mein Muse-Brunnen nicht austrocknet und daß ich ein Publikum habe, die das lieben was ich mache. Nur durch das Publikum wird Live-Musik zum GANZEN. Sobald ich auf der Bühne stehen, ist auch das kleine Bißchen Nervosität, das sich manchmal etwas breit macht, vollkommen verflogen. Wenn ich auf der Bühne stehe und die Leute sehe geht alles nur nach vorne…“

Und hier einfach mal eine kleine Info, was es mit Juttas Buch auf sich: „Ich habe 1990 ein Buch geschrieben: ‚Die Tochter des Fliegenden Holländers auf der Suche nach der verlorenen PhantaSIE‘. Das ist die Geschichte von meiner ehemaligen Band Zed Yago und betrifft die Texte dieser Concept-Alben. Also, ich lese, singe und plauder, alles auf einmal“, grins, ja genau, alles auf einmal, jut3zwinker. Dazwischen singe ich zu den original Zed Yago Playbacks meine Songs, um die es in der Geschichte geht. Eine ziemliche kurzweilige Sache, da ich eine alte Plaudertasche bin und viel zu erzählen habe….. und eines noch für Euch alle:

Rock ‘n roll is bigger than all of us CAUSE THIS SONG IS NEVER ENDING. Rebels die hard, wenn überhaupt.” EV

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