Gina Damico: „Hellhole – Wenn der Teufel bei dir los ist“

hellholeDie Thematik scheint der gebürtigen New Yorker Autorin zu liegen. Doch von Anfang an. „Hellhole – Wenn der Teufel bei dir los ist“ wartet schon mal mit einem liebevollen, augenzwinkernden Cover auf, bei dessen Anblick man sich ein Grinsen nicht verkneifen kann. Und was das Bild verspricht, hält auch die Geschichte. Die Grund-Zutaten für die Geschichte kennt man hinlänglich: Da gibt es den typischen Nerd, wie man ihn aus dem Buche kennt: Unscheinbar, introvertiert, nie wirklich Kohle in der Tasche und den Kopf voller Spiele. Max, so der Name des Protagonisten, wohnt zudem mit seinen kranken Mum zusammen und ist nicht gerade begeistert von seinem Job.

Was passiert, wenn sich ein solcher Nerd ins Freie begibt? Nun ja, wahrscheinlich wäre er besser erstmal bei seinen Games geblieben als auf einem Hügel ein Loch zu buddeln. So kommt Max nämlich zu etwas – anderer – Gesellschaft: Einer der 666 Teufel, denn so viele gibt es hier, hat es sich auf seinem Sofa bequem gemacht und denkt gar nicht dran, Chips und Spielekonsole aus der Hand zu legen. Max hat mir Burk nicht gerade den Ausbund an Prachtexemplar erwischt… und dieser will nun eben mal einen Deal, der allerdings auch Max´s Mutter gesund machen würde. Er bildet sich halt mal einfach so eine Luxusvilla mit Whirlpool ein – nichts leichter als das. Selten so gelacht, denn wie soll der arme Schlucker Max das bewerkstelligen.

Nun, Max ist nicht der super cleverste und taff – ein Nerd und taff? Aber was der junge Kerl auf jeden Fall hat, ist Prinzip-Festigkeit. Der Deal mit dem Fast Food-Junky Burk verlangt Max einiges auch an nicht geahnten kriminellen Energien ab, wobei dies natürlich nicht die einzigen Momente sind, die herrlich zum Schmunzeln und Sinnieren gleichzeitig beschrieben sind. An dieser Stelle also echt Hut vor der Autorin, die einen guten Einblick in den seelischen Werdegang eines jungen Menschen gibt, ohne dabei aber in Pathos zu verfallen, sondern immer die richtige Prise Augenzwinkern bereithält.

Grenzen überschreiten, um seinen Prinzipien zu folgen – in diesem Falle zum Wohl der eigenen Familie. Hier wird scheinbar nebenbei auch eine Frage in den Raum geworfen, die gesellschaftlich durchaus von Interesse ist. Die beiden Hauptfiguren sind absolut klasse inszeniert und auch die Nebencharaktere werden sofort zu einem Bild vor dem geistigen Auge. Das hat Gina Damico auch verdammt gut drauf. Das Buch glänzt durch authentische Beschreibungen, elegante Situationskomik und schlüssigen Fluss.

Gut, die Grundidee eines jungen Hauptcharakters, der noch nicht so gefestigt im Leben steht oder ein Dasein als Außenseiter fristet oder urplötzlich mit der dunklen Seite konfrontiert wird, ist nicht neu. Man denke allein an den französischen Horror-Movie „Hellphone“ und an weiteren Beispielen mangelt es auch nicht. Burk ist dabei eher wie eine Mischung aus „Little Nicky“, „Hellboy“ und der Darstellung des „Leibhaftigen“ (diesmal anders gemeint) aus der Filmkomödie „Ich und mein Ding“: Sturköpfig, verwirrt, schnoddrig, von sich überzeugt – und leider u.a. damit geschlagen, dass er nur gestohlene Dinge futtern und verwenden kann.

Ein sehr abwechslungsreiches und starkes Buch, denn auf den ersten Blick mag die Geschichte eben in ihrer Basis nichts Neues zu bieten haben, doch legt das Story-Board zum einem grundlegende Fragen dar, Überlegungen und Situationen, bei denen man sich automatisch als Leser mit den Problematiken des Hauptprotagonisten identifizieren kann. An Tiefgang mangelt es diesem kurzweiligen Werk auf keinen Fall und an Nachhaltigkeit auch nicht. Zum anderen versteht es die Autorin glänzend, fließende Übergänge in der Emotionsbandbreite zu kreieren, die einem mit fiebern lässt, dann wieder das Herzchen oder das Zwerchfell berührt.

Absoluter Tip mit satten 377 Seiten!! (Penhaligon Verlag, ISBN: 978-3-7645-3124-3) EV

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.