German Angst – die Menschen als P vs NP-Problem?

Nachdem wir uns ja schon mal über die Amis ausgelassen haben, dachten wir uns: Jedes Volk hat so seine typischen Psychosen. Ist german 1doch wahr. Die Witze über diese oder jene Eigenheit über britische Landsmänner, das Foppen der Siesta im südlichen Raum, die Essens-Traditionen.. Menschen haben einen an der Klatsche, vielleicht ist ja das Trauma der Geburt und der Mensch ist ein derart zart besaitetes Wesen, daß er den Wechsel vom Mutterleib zur hellen, kalten Außenwelt nicht so gut verkraftet wie ein Vierbeiner.

Fakt ist jedoch, daß wir Zweibeiner Zeit unseres Lebens eins zu neunzig Prozent super können: Von Tag zu Tag anstrengender, gemeiner, verwirrter und psychisch verkorkster zu werden. Von wegen Spitze der Nahrungskette. Spitze des Wahnsinns. Kein anderes Lebewesen labt sich daran, anderen grundlos und unnötig Schmerz zuzufügen. Selbst, wenn eine Katze eine Maus nicht gleich ext, dann nicht unbedingt, weil sie ihr was Böses will. Menschen dagegen durchaus. Tagtäglich sind wir, wie ein schönes Zitat sagt, auf der Suche nach einem Grund, warum wir den anderen umhauen könnten. Gut, im Original lautet es „sperr zwei Menschen in einen Raum und es dauert keine so und so viel Minuten bis sie einen Grund suchen, den anderen zu töten.“

Dabei sind wir echt erfinderisch, wenn es darum geht, einen Grund dafür zu suchen, den wir als Begründung fürs Scheiße-Sein vorschieben können. Religion, Glaube, Gesetze… erstklassig sind wir da. Mit jeder neuen wissenschaftlichen, technischen german 3Errungenschaft sorgen wir auch gleich dafür, daß uns die Probleme und die einsetzbaren Variablen, anderen das Leben schwer zu machen, ja nicht ausgehen. Wenn man genauer drüber nachdenkt, stimmt das doch. Die Menschheit als P vs NP-Problem?

Wie dem auch sei, philosophieren wir mal in eine andere Richtung: Überall ist die Luft anders und so manifestieren sich auch historisch eventuell begründet die einen oder anderen Traumata schon in unseren Erbanlagen. Posttraumatische Belastungsstörung für alle, die nie dabei waren. Und damit nehmen wir uns heute halt mal die werte sogenannte German Angst vor. Der Begriff stammt an sich aus dem Englischen und hat so viel zu bedeuten wie „typisch deutsche Zögerlichkeit“. Daneben gibt es auch noch die German assertiveness – die typisch deutsche Überheblichkeit.

Und verdreht jetzt nicht die Augen, genau das trifft doch beides zu. Ja, Deutschland ist schon ein Land mit einer – ähm – eigenartig belasteten Geschichte. Wir glänzen dabei nicht nur mit der Geschichte der beiden Weltkriege – und seien wir mal ehrlich: Nur weil die so gelaufen sind, wie sie gelaufen sind, sollen Deutsche Kriegs-Irre sein und darauf stehen? Auch hier sitzt das Entsetzen tief. Und angesichts einer anderen geschichtlichen Linie auch bezüglich anderer Facetten dieser Zeit, besonders in Bezug auf das Dritte Reich. Deutschland und der düstere Touch… ich möchte mal behaupten, der Hang zur Morbidität und Melancholie macht sich auch am Musikgeschmack bemerkbar. Woher kommen denn die stärksten Gothic- und Wave-Strömungen bzw wo finden sie statt?

Klar ist das nicht nur in Deutschland, vornehmlich dort auch im östlichen Teil, so, aber wir sind mit ganz vorne mit dabei. Punkt um. Der Hang zum Gothic, zum Gespenstischen… das hinterhältige, geheimnisvolle und absolut wahnsinnige Böse, Unaussprechliches (so hielt es zumindest Lovecraft in einen Novellen als Formulierung gern, hat aber nix mit dem Thema hier an sich zu tun)… Deutschland hat nicht nur eine Geschichte, in der man immer wieder mal von Wahnsinnigen hörte. Der Wahnsinn fand in ungeheurem Maße hier auch statt. Man denke dabei an den Sandmann, den Kannibalen von Rothenburg… Nicht so Greifbares wie ein Charles Manson. Der mag nicht weniger irre gewesen sein, aber doch dabei extrovertierter. Der Wahnsinn im Verborgenen, der den man spürt, aber nicht greifen und die Fähigkeit zu absolut unfaßbaren Handlungen und Gedankengängen lauern vielleicht im Hinterkopf unserer Kultur subtiler – dafür umso allgegenwärtiger.

german grossUnd wer meint, er sei der große starke Mann, weil er jeden umhauen könnte und gleich auf Angriff ist die beste Verteidigung macht, ist auch nichts anderes als verängstigt. Wie oft wußten „wir“ nicht, wovor wir Angst haben sollten, bevor es zu spät war? Also entwickeln wir mal, selbst in unserem Sitten einhaltendem Benehmen, eine gute Vorsicht, vermuten hinter jedem Strauch einen Dieb und wollen alles sichern. Abkapseln, alles andere anfeinden… gern an den Tag gelegt. Das Phänomen der deutschen Überheblichkeit – wie oft ist es bei Menschen zu beobachten, daß sie eben mit Arroganz und Überheblichkeit reagieren, wenn sie sich eigentlich innerlich in die Hose scheißen? Aber wir können alles bewältigen – und trommeln uns dabei so lang auf die Brust, bis es auch die letzte Nuß glaubt. Nur wir selbst nicht.

Nichts kommt von ungefähr und Deutschland mag nicht so eine Masse an Serienmördern haben oder derart vieles großes Gedöns – aber was war, das war an Heftigkeit nicht so ganz zu überbieten. Und das soll keine Aufforderung sein, es besser zu machen. Aber müssen wir uns selbst zu Geiseln unserer grusligen Geschichte machen? Wieviel unseres ach so überlegenen Verhaltens ist schlicht einfach nur Schiß und Respekt vor einer Art des Wahnsinns, der heimlich still und leise pulsiert? Könnte man mal in sich gehen, oder? EV

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.