Foltergeschichten – Geschichte (nur) von gestern?

Doch wäre es nicht rechtens zu behaupten, es habe im Mittelalter nie Protest gegen die Folter und ihre Anwendung gegeben. So wandte sich unter Anderem auch Voltaire kritisch gegen diesen Praktiken – trotzdem wurde die Folter erst im Laufe des neunzehnten Jahrhundert abgeschafft – und eine Weile schien es, als sei die Folter auch tatsächlich weitestgehend verschwunden und sei es zumindest aus den Köpfen der Europäer.

Dann jedoch sollte das römische Imperium seinen bislang letzten und schrecklichsten Auftritt haben.

So ist es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet im Dritten Reich die Folter wieder eingeführt und vor Gericht legitimiert wurde, verglich sich dieses Reich doch mit den Römern der Antike und Hitler in seinem grenzenlosen Größenwahn mit Cäsar, den er als „Gröfaz“ (Größter Feldherr aller Zeiten) übertreffen wollte. Hätte ein Mensch von der Antike bis zum dritten Reich gelebt, er hätte wohl spätestens hier den Verstand verloren angesichts unseres erneuten Ausflugs in eine Gedankenwelt, geprägt von schierem Wahnsinn – doch wie die Zeit zeigen sollte übertraf diese Epoche alle vorangegangene in der Systematik ihres Irrsinns und ihrer Abscheulichkeiten.

folter 4Generell lässt sich vieles von dem was damals geschah nicht mehr nachvollziehen, mehr als für jeden anderen Bereich gilt dies aber wohl für die Gerichtsprozesse und die „Tests“ der damaligen Zeit an lebendigen Menschen. Letztendlich stand auch hier in den meisten Fällen das Urteil bereits vor dem Prozess fest und diesmal hatte man Konzentrations- und Arbeitslager errichtet um dem Unrecht auf typisch deutsche Art und Weise wenigstens noch mehr System und deutsche Gründlichkeit zu geben. Zudem war diese Methode äußerst praktisch für die persönliche Legitimation der Vorgänge, da diese Taten somit von der Öffentlichkeit gerade soweit abgeschirmt wurden, dass sie weniger gravierend wahrgenommen wurden – oder man sich wenigstens einreden konnte, nichts davon zu wissen.

Von Wachfolterungen, Massenvergewaltigungen, Hinrichtungen und erbärmlichen Folterungen abgesehen gab es jedoch noch ein besonders grauenvolles Kapitel – die sogenannten „Tests“. Dies waren oberflächlich wissenschaftliche Tests, die jedoch einzig der Grausamkeit gegenüber Opfern dienten und der Perfektion von Hinrichtungsmethoden. Ein Beispiel dafür war ein „Test“ in welchem herausgefunden werden sollte, bei welcher Temperatur in Eiswasser ein Mensch nicht mehr überleben kann. Allein für diesen pseudowissenschaftlichen „Test“ wurden Dutzende Gefangene getötet oder gefoltert.

Doch manche dieser Tests dienten auch tatsächlichen Zwecken – meistens denen großer Unternehmen der Pharmaindustrie oder der Kosmetikindustrie und zählt man die Arbeitslager mit ihren Bedingungen auch berechtigterweise zu schierer Folter so gesellen sich noch viele andere Branchen dazu. Nicht ohne Grund kann man hier eine Parallele ziehen zur Situation Amerikas im 18. und 19. jahrhundert als dort viele Unternehmen auf dem Rücken afrikanischer Sklaven groß wurden, da ihre Arbeitskräfte keine oder kaum Rechte hatten und zu Tode geschunden wurden. Böse Zungen behaupten, dass im Prinzip darauf noch heute der Reichtum amerikanischer Unternehmen basieren würde – aber natürlich sind wir heute ganz furchtbar zivilisiert und gleichberechtigt und so…. Genau dies fand auch in Deutschlands 30er und 40er Jahren statt – berühmt berüchtigt wurde da besonders ein großes deutsches Stahlwerk, dessen Produkt zugleich Synonym für die Standhaftigkeit deutscher Soldaten werden sollte und auf diese Weise auch Alfred Krupp, Hauptverantwortlicher für die systematische Ausbeutung von mehr als 100.000 KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern. Endlich war man wieder wer, Deutschland hatte endlich die internationale Anerkennung die es so sehr suchte – und sei es als „das Land früher bekannt als das der Dichter und Denker, jetzt bekannt als das Land verblendeten Größenwahns und schafgleicher Folgschaft“.

Allerdings sollte dies nicht das letzte Kapitel in der Geschichte der Folter bleiben, denn auch nach dem Ende des Terrorregimes kam es zu Fällen der Folter, nun jedoch insbesondere außerhalb Deutschlands. So kam es unter Anderem während des Vietnamkriegs zu mehreren Vorfällen auf beiden Seiten, aber auch in jüngster Zeit spielt die Folter wieder eine Rolle, vornehmlich dort wo es ein übermächtiges oder ein besonders machtloses Regime gibt.

Das tibetanische Volk, dessen Land Anfang der 50er Jahre von China besetzt wurde, ist auch heute noch schlimmsten Folterungen ausgesetzt – von Elektroschocks, Schlagstockattacken, dem Hetzen von Hunden auf nackte Gefangene bis hin zu Vergewaltigungen tibetanischer Nonnen welche dadurch auf zweifache Weise grausam geschunden werden, da damit ein Bruch ihres Zölibats stattfindet der sie zusätzlich quält. Ganz ähnliche Folterungen finden dort auch gegenüber den friedlichen Falun Gong-Anhängern statt, einer Meditationsweise die so populär war, dass sich das kommunistische Regime Chinas gefährdet sah.

Auch in Kolumbien ist die Folter alltäglicher Horror und wird von Seiten der Regierung zur systematischen Verfolgung Oppositioneller eingesetzt und angesichts der Tatsache dass von 1776 Folteropfern 1534 anschließend hingerichtet wurden, kann man statt von Verfolgung auch fast von Auslöschung sprechen. Zudem gehen Folterer in Kolumbien oftmals straffrei aus, insbesondere wenn es sich um die Folterung unerwünschter Personen handelt wobei sich hier paramilitärische Gruppierungen und der Staatsapparat die schmutzige Arbeit teilen.

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