Foltergeschichten – Geschichte (nur) von gestern?

Um jedoch Geständnisse zu erzwingen – das Urteil stand de fakto im Regelfall so oder so vor der Verhandlung fest – griff man auf raffiniertere und grausamere Foltermethoden zurück deren Bandbreite von leichten Verletzungen bis zu grausamen Verstümmelungen reichte, wobei jedoch der Tod nicht ausdrücklich erwünscht war – wenngleich er oft billigend in Kauf genommen wurde. So mancher Folterknecht rühmte sich damals damit, Opfer besonders lange überleben lassen zu können und steigerte dadurch seine Gehaltsforderungen. Die Bandbreite dieser unvorstellbaren Folterungen reichte vom Brandmarken mit glühenden Eisenstäben über Daumenschrauben, bei denen ein Schraubstock soviel Druck auf folter 2die Fingernägel ausübt bis er diese durchdringt, hin zu grausamsten Methoden wie den Brustkrallen. Mit diesem Instrument wurden meist Frauen wegen angeblichen Ehebruchs bestraft, indem ihre Brüste in geschärfte Metallzangen gefasst wurden und man die Krallen anschließend zusammenzog. Dadurch konnte man die Brüste regelrecht zerfleischen, manchmal waren die Zangen auch vorher zum Erglühen gebracht worden.

Generell spielte die Folter gerade gegenüber Frauen eine wichtige soziale Rolle, da sich der Mann vor der Unergründlichkeit der Frau fürchtete und davor, ihr emotional unterlegen zu sein und gerade das Mittelalter war ja berühmt für eine ganz menschliche Neigung: alles zu vernichten was ihm unerklärlich ist. Deshalb fanden häufig genau solche Attacken statt die der Zerstörung der äußerlichen Merkmale von Frauen dienten um diese wortwörtlich zu „entweiblichen“. Die wohl abscheulichste dieser Methoden war jedoch der sogenannte „spanische Kitzler“ – ein eisernes mit scharfen Zacken versehenes Requisit welches zwar manchmal auch dazu eingesetzt wurde um das Fleisch von den Knochen der Folteropfer regelrecht abzuschaben, aber auch anal oder vaginal verwendet wurde.

Dabei fällt auf, dass auch die Namensgebung dieser Foltergeräte von endloser Pervertierung geprägt war und die Menschen in ihrer Blut- und Machtgier, genau darum ging es im Wesentlichen bei der Folter, versuchten das zu vernichten, was sie nicht verstanden. So kann man durchaus auch die Keuschheitsgürtel als Folterinstrumente verstehen, da der Gürtel aus schwerem Eisen war und sich teilweise in das Fleisch schnitt – doch damals war eine Frau der Besitz ihres Mannes und im Falle einer Vergewaltigung ging dieser Besitz regelrecht über an den nächsten Mann und so wollten viele Männer ihren „Besitz“ schützen (und damit ihr Ego).

Die dritte Art der Folter war jene, die von vornherein zum möglichst qualvollen Tod des Delinquenten führen sollte und drum ist es auch der Bereich bei dem selbst beim bloßen Lesen ein Gefühl der Übelkeit aufkommt. So war das Hängen, die am weitesten verbreitete Hinrichtungsmethode, noch geradezu ein Paradebeispiel der Humanität verglichen mit dem, was folgen sollte. Noch aus dem alten Testament überliefert erkannte die Kirche bald die alte Methode des Sägens wieder, bei der das Opfer mit dem Kopf nach unten festgebunden wurde, um die Blutzufuhr des Gehirns möglichst lange zu erhalten – und anschließend setzte man eine Säge am Schritt an und arbeitete sich durch den gesamten Körper wobei das Opfer aufgrund der Blutzufuhr meist erst dann verstarb, wenn die Säge im Brustbereich angelangt war.

Eine andere grausame Methode war die sogenannte „Ratte“. Dazu wurde das Opfer auf einen Tisch gefesselt und ein Käfig mit einer Ratte darin auf seine Brust gesetzt. Nun legte man glühende Kohlen auf die Oberseite des Käfigs und versetzte die Ratte damit in Panik. In ihrer Panik und beim Versuch der Hitze und der vermeintlichen Gefahr zu entkommen nagte sich die Ratte deshalb durch die Brust des Opfers was letztlich zum unvermeidlichen Tod führte.

Doch auch im Mittelalter musste man sparen und so wurde die gedornte Halskrause besonders beliebt. Dieses um die 5 Kilogramm schweren Geräte waren innen und außen mit Dornen versehene eiserne Halskrausen die, einmal angelegt, bei jeder noch so leichten Bewegung des Opfers das Fleisch von Hals, Nacken und Schultern teilweise bis auf die Knochen abschabten. Damit arbeitete das Gerät Tag und Nacht und es war kein Henker zur Beaufsichtigung nötig, da der Tod meist sehr rasch unter Anderem auch durch Wundbrand, Entzündungen und Blutvergiftungen auftrat. Manchmal wurde die Wirkung noch verstärkt indem man Maden auf die frischen oder eitrigen Wunden gab. Natürlich kamen auch Streckbanken, Vierteilungen oder das Kochen von Folteropfern in siedenden Bottichen zum Einsatz– aber schon damals sollten selbst die qualvollsten Folterungen möglichst preiswert sein. Man hatte ja schließlich nichts und davon nicht einmal viel – besonders gespart wurde an Menschenwürde, Objektivität und Menschlichkeit .

Die Kirche war es, die all diese Foltermethoden durchsetzte und zur Anwendung brachte, viele von ihnen auch erfand oder wiederentdeckte um ihren persönlichen Kreuzzug gegen Andersdenkende durchzuführen und den „abscheulichen barbarischen Arabern“ endlich Nächstenliebe beizubringen. Dass diese Araber es waren, die dem europäischen Mittelalter teilweise weit voraus waren, war da beinahe nebensächlich – hauptsache endlich mal wieder in den Krieg ziehen für fadenscheinige Ideale, etwas was anscheinend typisch für die Menschheit ist.

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