Ein kleiner Ersatz? Das Prinzip der Hofnarren

In dieser Rubrik lassen wir uns ja nur zu gerne zu Presse und damit verbundenem Tralala aus und wie wir schon mal so beschlossen haben, ist´s da eben mit der Ehrlichkeit ungefähr so weit her mit dem Heißhunger eines Löwen auf Tofu. Nun, aber so ganz unkritisch bekommt man als gemeiner, auch als netter, Bürger, auch nicht alles serviert, mundgerecht portioniert. Mit gallischer Mentalität gibt es da noch ein unbeugsames, kleines Völkchen, fernab der Medienmarionetten und fetten Skandale.

Früher nannte man sie Hofnarren, heute heißen sie eben Gruber, Barth, Mittermeier usw. Und sind wir mal ehrlich: Manchmal kann man doch echt froh sein, daß wir unsere Traditionen so lieb haben, auch wenn manche einfach schlicht ein Scheiß sind. Also, der Hofnarr heißt heute neumodisch Comedian. Das leite ich jetzt einfach mal so her. Und ja, als Comedian tut man nicht nur das, was einst des Hofnarrens Freiheit war: Nämlich ungestraft dem Oberhaupt am Fürsten- oder Sonstwas-Hof den Pinsel zu rasieren. Nein, doch nicht so, Leut. Die Meinung geigen, so verbal mitten auf die Zwölf. Klar, nachdem die Interessensgebiete der Menschen mitunter etwas weiter auseinander driften (ich sag nur Tofu) gibt´s auch Comedians, die ihre Lebensaufgabe eben darin sehen, Leutchen zum Lachen zu bringen. Logisch, wo gehobelt wird, fallen Späne und irgendwer muß halt der Depp sein, über den gelacht wird – aber das gehört zum Menschsein von Geburt an dazu. Depp sein.

Find ich persönlich auch gar nicht so schlimm, lieber mach ich mich zum Affen als zum Arsch. Aber weiter im Text: Wo waren wir jetzt – ach so, ah, jetzt, ja. Tradition. Ich vermute ja langsam so eine kleine Verschwörung und die Leute freuen sich in Wirklichkeit gar nicht mehr darauf, sich an Fasching/ Karneval, wie auch immer man das bezeichnen möchte, verkleiden zu können, ungestraft einen bis dreizehn zu bechern oder sonstigen Unfug ungestraft (meinen sie immer) zu veranstalten: Nein!! Da darf quer durch die Botanik lauthals bis zur kehlischen (gibt´s das Wort?) Erschöpfung gejubelt werden, wenn unsere lieben Herren und Damen Politiker einfach ihr wohl verdientes Fett abkriegen. Sind wir mal ehrlich: Unverblümt und rotzfrech alles, was einem nicht paßt, auf den Tisch knallen zu können, ohne daß es in irgendeiner Form Aua macht? Herrlich, oder? Klar, die Gesellschaft an sich kriegt auch ihren Batzen weg, Themen zum Augenrollen gibt es mehr als Sand am Meer (hey, reimt sich).

Gut, zugegeben, nur hier laut zu maulen hat schon auch einen Touch von Feigheit, aber besser als nichts. Auch ein toller Aspekt am Brauch der Büttenreden: Es darf das ganze Jahr zynisch, sarkastisch und einfach ehrlich geplappert werden, wenn man sich der Zunft der Comedians zurechnen kann und einen Bekanntheitsgrad erreicht hat, der eine Einweisung samt Hab-mich-lieb-Jacke eher unmöglich macht. Würd vielleicht auffallen. Und eiderdaus: Manche haben sich das sogar hinter die Löffel geschrieben. Während manche eben ihr Seelenleid über die – naja, andere –Hälfte klagen und mit Augenzwinkern die geistigen Wirrwarrs und „Problemchen“, die der arme gebeutelte Mensch so im Alltagsleben hat, erzählen (übrigens auch ein wichtiger Aspekt, denn an solchen Witzen etc kann man mal sehen, wie lächerlich manches fei jetzt mal wirklich ist), widmen sich eben manche eher politischen Themen.

Nun kommen wir zum doofen Aspekt daran: Leider findet sowas meist nur halb versteckt statt und zu Uhrzeiten, die man eigentlich nur so sehen kann: Die Macher hatten keine Ausrede, das Sendeformat abzulehnen, dann wird´s eben lieblos irgendwann unter der Woche mitten ins Nachtprogramm gestopft. Der brave Bürger schläft da, die Arbeit ruft am nächsten Morgen… Haha, ein Hoch auf das Internet, das hat keine festen Sendezeiten. Natürlich fehlt es den Comedians an „korrekter“ Berichterstattung, doch mittlerweile ist genau das das Schöne. Was man hier zu Hören bekommt ist subjektiv. Das beinhaltet aber drei Dinge (wenn man willig ist): Der Plauderer mußte sich über Thema X schlau machen und kann keine absoluten Nicht-Fakten als Basis seines Ausführungen abliefern. Zweitens: Das gute Wesen, das sich da den Mund fusslig redet, kann sich schon mal EIGENE Gedanken gemacht (hui, Gedanken und dann auch noch eigene). Drittens: Man könnt´s ja nachmachen und auch mal, dadurch inspiriert, den eigenen Denkapparat anschmeißen. In diesem Sinne

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