Die Prinzessin auf der Erbse – Märchen mal ausgefizzelt

Denkt man zuerst an dieses Märchen zurück, kommt einem schnell in das Bild einer verwöhnten, nie zufriedenen Prinzessin, der man es einfach nie recht machen kann, in den Sinn. Bei nochmaligen Durchlesen und Versuch des Verständnisses wird man doch einiger anderer Punkte gewahr. Gerade die Abgehobenheit, die man immer wieder im Laufe der Jahrhunderte innerhalb der Völker betrachten konnte, tritt hier zu Tage. Mal nicht sarkastisch formuliert wollen wir hier einmal das Märchen „Die Prinzessin auf der Erbse“ aufschlüsseln.

erbse
Sprichworte, wie „einen an der Erbse haben“, „den Knall nicht mehr gehört haben“ – Aussprüche wie diese, ob elegant oder salopp verwendet, finden sich immer wieder und weisen auf einen weitest gehenden Verlust zur Realität der Allgemeinheit auf.
Doch ist hierfür nicht einmal wirklich in diesem Märchen die Prinzessin diejenige, die dies aktiv verkörpert, sie zeigt sich lediglich als Spiegel des Verhaltens der Königin und des Prinzen, weniger des Königs.

Der Prinz, erwartungsvoll, aufgeschlossen, doch peinlichst genau durch Mutter Königin geimpft, lebt ihre Vorstellung von Anmut, Eleganz und der Überzeugung, zu „Höherem“ berufen zu sein, weiter. Er ist mehr auf die Mutter als auf den Vater, trotz „blauen Blutes“ fixiert („Ödipus-Komplex“?).
Diese vertritt die Meinung, nur eine echte Prinzessin, kein „gemeines Frauenvolk“ sei es wert, sei zartfühlend genug, um eben den entsprechenden Ansprüchen zu genügen – hier offenbart sich eine enorme Kluft zwischen der verwöhnten Obrigkeit, für die das Beste gerade gut genug ist, und dem „normalen“ Volk, dem Bürger. Jenen Menschen, für die Widrigkeiten, egal, wie geartet, zum Alltag gehören und die auch entsprechend hart im Nehmen sein können und müssen. Allein schon hinsichtlich der Zukunft, man weiß wie, welche Hürden man noch zu überwinden hat. In diesem Märchen herrscht ein ganz immenser narzistischer Hintergrund vor bzw wird einem vor Augen geführt.

Im absolut überspitzten Ansatz erinnert das Ganze sogar etwas u.a. an „Hämoglobin“ von Clive Barker. Dort ist eine Adelsfamilie derart narzistisch veranlagt, daß alle anderen Menschen unter der eigenen Würde sind und man sich nur noch untereinander vermehrt. Diese Inzucht mag zwar die Blutlinie beibehalten, gesund ist aber etwas anderes. Doch dies nur als Vergleich am Rande.
In der Kurzfassung zeigt sich ein, eher „normal“ eingestellter König, der am ehesten mit beiden Beinen im Leben steht und näher als seine traute Familie am Volke zu sein scheint. Des Weiteren ein junges Mädchen, augenscheinlich eine echte Prinzessin, doch wirklich erfährt man es nicht. Sie beklagt sich nicht von selbst, sondern antwortet lediglich auf die Frage nach ihrer Nachtruhe, doch könnte Dies auch reine Anpassung an die Königin sein.
Unterm Strich findet jeder zu seiner Zufriedenheit, die „Prinzessin“, der Prinz und die Königin fühlen sich gebührend gebauchpinselt und zufriedengestellt und der König scheint ehrlich glücklich zu sein, da es sich, Prinzessin oder nicht, nicht um eine 08/15-Frau von der Stange handeln zu scheint.
Wie viele andere Märchen auch zieht sich hier ein roter Faden durch nahezu alle Zeitepochen, ein wiederkehrendes Verhaltensmuster der Menschheit kommt erneut zum Tragen: Das Abheben des Selbst vom Rest der Gesellschaft, überzogene Eitelkeit, Ich-Bezogenheit, das Bedürfnis nach Befriedigung und des Nicht-in-Frage-gestellt-Werdens. Die Bequemlichkeit, das Streben nach dem Besten sowie Abgrenzung von allem, was einem nicht gut genug erscheint.
Betrachtet man dies außerhalb der Wahrnehmung eines Einzelnen und seiner psychologischen Beschaffenheit und überträgt es auf das „große Ganze“ wird deutlich, wie manche Gesellschaftsschichten auf andere herab schauen, diese benutzen und doch mißbilligen und keinerlei Zugang mehr zu deren „Welt“ haben. Ebenso wie sie keinerlei Verständnis für die Sorgen und Nöte anderer, ob im Kleinen oder im Großen aufbringen können und wollen. Dies wiederum steht einem vernünftigen gesellschaftlichem Miteinander immer wieder und immer mehr im Wege.

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