Circle II Circle – Zak Stevens über das Savaversum und:

Ich gestehe – ich hab meiner Mum immer die Schallplatten gemobbst

Ein bißchen Knacks da, ein bißchen Knacks dort – und schon steht die Weiterleitung über den großen Teich und ich habe einen gut gelaunten Zak Stevens am Telefon, Die gute Stimmung ist kein Wunder, ist der neue Silberling von Circle II Circle absolut genialst gelungen und entsprechend fallen auch die Reaktionen aus. Viele ciicsprechen vom besten Scheibchen der Band bisher und dürften damit auch nicht übertreiben. Wobei Circle II Circle immer ein Garant sind.

„Wir sind absolut zufrieden, wie es läuft und natürlich auch mit dem, was wir geleistet haben. Wir waren auch lang an den Arbeiten zu diesem Output. Wir wollten eine Menge toller Riffs, das Album sollte rocken und wirklich Stimmungen schaffen, Die Songs zusammen zu stellen war ein Basteln und hat lange gedauert. Man hört sich dieses Segment, jenes, zu den Vocals paßt dann das nicht oder man schraubt hi und da noch ein wenig. Ein Song sagt mir, was zu tun ist und das geschieht eben nicht immer sofort. Bei uns, und vor allem ist das meine Herangehensweise, soll die Musik den Ton angeben und wir folgen ihr. Sie sagt uns schon, was gut ist“, sagt´s und schmunzelt.

Zak ist natürlich in seinem Dasein als Sänger, Musiker, Künstler nicht nur mit Circle II Circle beschäftigt, sondern auch wieder bei Savatage (jaja, zur Re-Union gibt´s hier auch noch was zu lesen, ein bißchen Geduld 😉 und zudem ein gern gesehener Gast-Sänger bei anderen Bands und Projekten. „Solche Sachen geben mir sehr viel. Ich lerne dadurch eine Menge dazu, jedes Mal und immer wieder. Das ist sicherlich ein großer Faktor, warum ich gerne bei so etwas mitmache. Andere Bands und Künstler haben zudem eine andere Herangehensweise, auch hier kann man seinen Horizont erweitern.“

Und der Sänger, für viele andere sicher ein Idol, gibt unumwunden zu: „Junge Musiker und Künstler inspirieren mich natürlich ebenso und es ist auch eine Herausforderung – und es ist spannend, wenn man dann schaut, was bei solchen Kollaborationen am Ende herauskommt. Da bin ich immer gespannt, bis ich das fertige Material höre. Es ist einfach faszinierend, wie sich Türen für Songs und auch einen selbst öffnen können.“ Gerade als Gast-Musiker, undCircle_Logo ist man noch so groß, muß man sich einfügen, sonst wird das nichts. „Es ist im Allgemeinen so, daß man ein Team zu allem braucht, wenn man mal ehrlich ist.“

Und es ergibt sich auch das Gespräch, ob es auch eine Frage der Neugier ist, die Musiker von Künstler unterscheidet. „Ich denke schon, schließlich treibt einen auch die Neugier mit dazu an, Neues entdecken und erlernen zu wollen. Als Künstler beschäftigt man sich auch viel mit dem ganzen Drumherum und nicht zwangsläufig nur mit Musik – ebenso auch mit anderen Musikrichtungen, man bekommt einen anderen Blick für verschiedene Dinge, auch Musik. Um an diesen Punkt zu kommen, braucht es aber mitunter Jahre. Ich kann von mir selbst sagen, daß ich zwar Musik machen konnte, das Singen beherrscht habe als ich band-technisch angefangen hab – aber es hat danach nochmal an die zwanzig Jahre gedauert, bis ich wirklich was vom Musik-Business verstanden und darüber gelernt habe. Dazu kommt natürlich auch, daß es immer eine Frage der Empathie ist, ob man als Künstler die Leute erreichen kann oder eben halt sein en Job als Musiker gut macht in deren Augen.“

Empathie ist so eine Sache – eine Sache, der ein gewisses Vertrauen in der eigene Gefühl und Gespür für etwas herrschen muß. Nur so kann sich auch etwas wirklich entfalten und entwickeln. „Das definitiv und das ist bei Circle II Circle absolut der Fall. Es muß sich einfach alles entwickeln und herauskommen können, Specials innerhalb eines Songs müssen greifbar werden und das können sie nur, wenn man auch Luft und Zeit gibt. Das Team um mich herum ist absolut großartig – ich bin im Grunde der, der´s eben mit Arrangements hat. Ich stelle also eigentlich bloß Dinge zusammen, wenn man es genau nimmt, hm…“ sagt´s und kichert in den Hörer. Ja, der Herr von Playmobil bei Circle II Circle… „Naja, jeder hat seine Rolle in einem Team, das ist halt meine.“
Und erzählt munter weiter: „Dieser Tage ist das Video zu ‚Ghost Of The Devil‘ herausgekommen, zur Zeit ist das mein Favorit: Einfach gehalten, aber effektiv und irgendwie symbolisiert dieser Track alles an unserem Sound. Wenn ich allerdings so recht nachdenke, finde ich ‚Somewhere‘ als den Song mit der besten und tiefsten zakAussagekraft. Es ist ein positives Stück, das einem sagt, daß es immer wieder weiter geht, egal, welche Tragödie man gerade durch macht. Daß man nicht aufgeben darf und es wieder ein Antrieb findet, weiter zu machen oder neu aufzustehen.

Im Leben geschehen oft schlimme Dinge und es ist wichtig, etwas zu haben, das einen oben hält, etwas mit dessen Hilfe man sich wieder aufrappeln kann. Etwas, das dem eigenen Leben einen neuen Sinn und eine neue Bedeutung geben kann. Hier in den North Carolina/ USA haben wir die größte Natur-Katastrophe seit Geschichte des Landes: Die Regenfälle haben drei der größten Flüsse übertreten lassen und Unmengen an Menschen haben alles verloren. Es wird Jahre dauern, bis sich diese Menschen wieder gefangen und alles wieder aufgebaut haben. Es ist wirklich die schlimmste Situation, die hier je stattgefunden hat bisher.“

Und viele, die den ganzen Tag jammern, wissen nicht im Ansatz, wie es ist, alles zu verlieren, vor dem Nichts zu stehen. Und bei der ganzen (ob immer so ehrlichen) Nachrichten-Erstattung hierzulande gehen solche Themen von vorn bis hinten gnadenlos unter. „Ja, das finde ich auch schlimm – die globale Problematik überschattet alles.“ Und ruft nicht wenige Verschwörungstheoretiker, Schwarzmaler und sonstige Gesellen auf den Plan, die man als nicht wirklich gut informiert gehaltener Bürger mit Zukunftsängsten, echt allerbestens gebrauchen kann. Hirn einschalten ist da oft erst Tage später an der Tagesordnung, erst folgt: Reinsteigern, ablästern, verzweifeln, panisch werden und wenn man dann mal zum Nachdenken kommen würde, kommt die nächste Katastrophen-Vermutung.

Aber ganz ehrlich: Gerade Musik kann einen da schon mal runterbringen. Nicht im Sinne von Abreagieren oder ähnlichem: Nein, zur Besinnung kommen. „Musik ist ein wunderbares Mittel, wieder auf seine eigenen Gefühle zu hören – in dem man sich besinnt, kann man auch wieder besser differenzieren und eine andere Art der Kompetenz entwickeln. Der Medienkompetenz zum Beispiel. Ab einem gewissen Punkt sagt einem da einfach der gesunde Menschenverstand, der Instinkt: ‚Das ist Quatsch‘ oder eben, daß vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit an etwas sein könnte. „

Zak selbst hat Freunde quer über den Erdball verstreut, auch in Damaskus und, und, und – und so landen wir auch beim Thema Wacken. „Wacken ist die Welt – und hält einen vor Augen, wie einfach es sein kann.“ Als ich anmerke, daß der Moment, als bei Chance sämtliche Länder-Flaggen beim gemeinsamen Auftritt von Savatage und TSO selbst vor der Glotze berührend war, zeigt sich Zak erst mal baff. „Äh, echt jetzt? Das ist klasse. Mir wollten die Leute damit erreichen, ein kleines Zeichen setzen, klar. Und bei dem Song schien es passend – ‚Chance‘. Ein paar Sekunden einfach die Chance auf eine Besinnung zu ergreifen können alles verändern.“

Tja, ja, ‚Chance‘… da war doch was. Ach ja, die Savatage-Re-Union. „Boah“, prustet es aus Zak heraus. „Die Gespräche darüber begannen ja bereits Mitte 2014 – und da steckten wir bereits in den Arbeiten zum jetzigen Circle II Circle-Album ‚Reign Of Darkness‘. Damit waren wir schon Anfang des Jahres fertig, aber die Veröffentlichung nach Wacken zu legen, war einfach der schlauere Schachzug.“ Dabei redet der Gute aber so schnell, als wäre er auf der ciicFlucht. Aber nein: Er will auf ganz was anderes hinaus. „Und wir durften es noch niemandem sagen. Also, das mit Savatage. Hmpf. Genau in der Mitte des Arbeitsprozesses ging das los. Nun ja und da stand eben das unterschwellige Vorhaben fest, die Leute schon an Savatage zu erinnern, unseren Songs einen Hauch davon zu verpassen. Ich hab mich ja selbst gefreut wie ein kleines Kind.“

Aha, erwischt. Darum hatte ich so ein Dämmern im Kopf beim Album – so irgendwie an… „Ghost In The Ruins“, eine von Savatage´s Live-Platten (muß man übrigens haben!!)… und dabei schwingt auch immer irgendwie der Geist von Chris Oliva (R.I.P.) mit. Doch das ist eine andere Geschichte. „Dann hat´s ja vielleicht doch geklappt, den Spirit ein wenig einzufangen, hehe. Gut, meine Stimme kennen die Leute von Savatage, logisch. Wir haben intern über dieses Vorhaben gesprochen – es sollten ein einige Reminiszenzen an ältere Sava-Sachen herauszuhören und zu fühlen sein, ein bißchen ‚Edge Of Thorns‘ hier, ein wenig dies und das… ich bin halt auch durch meine Zeit bei Savatage an einige Songs sehr gebunden und liebe sie. Klar, Circle II Circle sind nicht Savatage, aber ich gestehe, als ich die Vocal-Lines geschrieben habe, war das ein großer Wunsch von mir. Ich hatte einfach den Sinn dazu.“

Na, da hört man ganz gewaltig raus, welches Elternhauses Baby Circle II Circle sind. „Sowiesi. Das ist alles eins irgendwie, eine Familie: Trans-Siberian Orchestra, Savatage, Circle II Circle… Als es mit TSO losging, war es als hätte Savatage ein neues Baby bekommen. Nun ist das halt erwachsen geworden. Das alles ist eine große Gemeinschaft und der Himmel ist das Limit. Wacken hat dieses Jahr deutlich gezeigt, zu was Savatage fähig ist (man erinnere sich: der zeitgleiche Auftritt von Sava und TSO auf zwei Bühnen – das nenne ich mal brillant). Es ist sagenhaft, was Savatage stemmen kann.“ Nun, die Rede ist heir nicht von einzelnen Personen, sondern zu einer Macht, die sich hier zusammengefunden hat. Anders kann man es nicht bezeichnen.“ Langsam kann ich mir das schon bildlich vorstellen: Über Nacht campende Käufer vor Saturn oder sonst wo, sobald die neue Platte rauskommen soll.

Circle II Circle haben sich zum Ziel gesetzt, daß Anfang 2016 auf jeden Fall Touren angesagt ist, vielleicht auch in Form von Club-Gigs. „Wegen den Überflutungen mußten wir natürlich einige Gigs in den Staaten absagen. Festivals werden wir selbstredend mitnehmen, was geht“, lacht die sympathische Plaudertasche. „Und… es werden einige Shows im Mittleren Osten folgen, huhu… das dürfte schon schwierig werden – aber wie dem auch sei: Es wird geschäftig im kommenden Jahr.“
Und erfolgreich hoffentlich. Und dann landen wir bei einer Kindheitssünde:

„Ich finde ja, die Musik, mit der man aufgewachsen ist, ist schon sehr prägend und als eine Form von Oldschool für sich selbst nimmt man das auch sein Leben mit. Der Sound, zu dem man aufschaut. Ich hatte das Thema gestern erst mit meiner Mum. Bei mir sind es die frühen Whitesnake, Black Sabbath… alles, was an einen in seiner eigenen Geschichte und bei Lernprozessen begleitet hat, einen als Heranwachsender inspirierte. Die ganz eigene Geschichte. Naja – und gestern fragte ich eben meine Mutter, was das bei ihr so war. Aber eigentlich hätte ich mir die Frage sparen können, hehe: Schließlich hab ich ihr ihre LPs immer gemobbst und angehört. Creedence Clearwater Revival, Steppenwolf, Peter Frampton. Also das alles konnte sie gleich bei mir suchen.

Ich bin ja eigentlich ein absoluter ‚Nicht-Möger‘ von diesen ganzen Talentshows. Sie schaden dem Business – aber nun mußte ich es einfach anschauen: Als Gast-Coach war John Fogerty dabei. Kult!“ EV

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