Caryl Férey: „Jähzorn“

„Rubén Calderón, ein Privatdetektiv in Buenos Aires, ist spezialisiert auf die Arbeit an den Fällen der ‚Verschwundenen‘, also derjenigen Menschen, die während der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 durch die Hand des Regimes verschwanden. Sein jaehzornVater, der berühmte aufständische Dichter Caldéron, seine kleine Schwester, sowie er selbst waren 1976 entführt und gefoltert worden. Während Rubén zu den Wenigen gehört, die aus dieser Gefangenschaft freikamen, wurden sein Vater und seine Schwester brutal ermordet. Dreißig Jahre später widmet er sich der Verfolgung der damaligen Täter uns sucht nach anderen Überlebenden wie ihm. Als er eines Tages der indianischen Bildhauerin Jana begegnet, die ihn beauftragt, einen Mord im Prostituierten-Milieu aufzuklären, ändert sich sein Leben für immer – denn beide verbindet sowohl Schmerz als auch Wut. Doch im heutigen wie im damaligen Argentinien ist es nie gut, zu viele Fragen zu stellen, denn der Tod und seine Henker lauern überall…“

Dieser Thriller von Caryl Férey hat es auf 500 Seiten wahrlich in sich. Intelligent verwoben, dicht und spannend geschrieben zieht einem die Geschichte um den Privatdetektiv und die Künstlerin in ihren Bann. Doch trotz seiner schreiberischen Qualitäten, die als superb zu bezeichnen sind, ebenso wie auch die erzählerischen Zusammenhänge, die Intensität der Darstellungen wird dieser Thriller nicht jeden ansprechen.

Dies liegt nicht etwa daran, daß das Thema der späten Genugtuung ausgelutscht wäre. Die ewige suche nach der Wahrheit oder, oder, oder. Auch das Zusammenkommen zweier Seelenverwandter ist glaubwürdig und wirkt nicht konstruiert. Gekünstelte Zufälle finden sich in diesem Roman absolut nicht. Dynamisch und kraftvoll treibt die Geschichte voran, auch wenn cool-Downs erlaubt sind. Und hier wären wir beim Punkt, warum das Buch nicht für jeden so ein Knaller sein dürfte: Es ist schwerer Stoff, gepaart mit einer Fülle an Informationen.

Würde man dieses Buch mit einem Film bzw einer TV-Serie vergleichen, wäre sie in etwa bei „24“ angesiedelt: Genial gemacht, realitätsnah, viele, eng gesteckte Informationen, die man neben der Grundhandlung noch zusätzlich erhält und die natürlich für eine Story dieser Art unerläßlich sind. Man möge sich vorstellen, welch akribisch und logisch strukturierter Arbeit allein dies in Anspruch nimmt, vom kreativen, wortgewandten und sich den Leser einverleibenden Stil des Autors mal ganz abgesehen. Wer also gern auf hohem Niveau, sprachlich wie inhaltlich unterhalten werden will und auch ein wenig seine realitäts-bezogene Phantasie anregen läßt, muß sich dieses Buch unbedingt zulegen. Der vielleicht an manchen Stellen benötigte längere Atem lohnt sich definitiv. (Limes Verlag) EV

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