Avantasia: “Ghostlights”

Naja, die Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest hat leider mal wieder deutlich gezeigt, welches Geistes Kind die deutsche Bevölkerung derzeit ist. Decken wir den Mantel des Schweigens darüber und erfreuen uns unseres eigenen Musikgeschmacks, der ja gottlob ausgiebig mit erstklassigen Scheiben bedient wird. Und sollte mal der Strom alle sein, können unsere Mucker wenigstens trotzdem erträgliche Töne von sich geben. Der neue Pate des Bombast Orchestral Metals, Tobi Sammet, hat mit seinen Schildmaiden und Recken, wie zu erwarten war, erneut ein superbes und zu jeder faszinierendes und ergreifendes Scheibchen aus dem Ärmel geschüttelt.

Und es muß nicht immer scheppern und überfrachtet agiert werden,avantasiaghostlightsd um druckvolle Power, weitschweifende Wirkung und einfach geniale Atmosphäre entstehen zu lassen. Es ist eben der eine kleine feine Unterschied, ob man Ohrwürmer schreibt, weil man eigentlich fast nix kann und auf bekannte, immer funktionierende Schemata zurückgreift, oder ob man so gut ist, daß die Leichtigkeit derart komplexer Arrangements die Anstrengung gar nicht mehr spüren läßt. Wem der Satz zu kompliziert ist, der braucht auch keinen Metal hören, by the way.

Und wenn ich grad ein wenig bissig bin, tut´s mir gar nicht leid. Warum? Siehe erste Zeile dieses Artikels 😉 „Ghostlights“ wartet mit so einigen Schmankerl auf, nimmt zu keiner Zeit die Eigenwilligkeit und Power des Metal zu Gunsten von „Lieblichkeit“ raus und vermittelt insofern auch nullinger den Eindruck, nach den Mainstream-Sternchen greifen zu wollen. Als die Leute noch Geschmack hatten, wäre es Mainstream gewesen. Natürlich bedienen sich die Songs filigraner Einschübe, mystischen Stimmungen, wuchtig-angriffslustiger und vor allem imposanter Aufmachung und alles, was die Metal-Szene maßgeblich mitgeprägt hat, findet gebührend Anerkennung: Ob Reminiszenzen an Savatage´s „Street“-Album („The Haunting“), Steinman ähnliche Inszenierungen, latent Traditional gefärbte Einwürfe… Tja, Klassik ist auch nur Metal. Ohne Strom halt.

Ich fang jetzt gar nicht, Anspieltips zu geben, (naja, „Draconian Love“, „Let The Storm Descend Upon You“,…) das Album gehört eh ganz gehört, gekauft und nicht zum Verstauben in den Schrank gestellt. EV

Tracklist:

Mystery Of A Blood Reed Rose
Let The Storm Descend Upon You
The Haunting
Seduction Of Decay
Ghostlights
Draconian Love
Master Of The Pendulum
Isle Of Evermore
Babylon Vampyres
Lucifer
Unchain The Light
A Restless Heart And Obsidian Skies

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