Andreas Lehmann: „Die neuen zehn Gebote“

Bei diesem Buch, weiß man nicht so ganz, ob man lachen oder weinen soll: Einerseits hat der Autor absolut recht und andererseits: Leider auch. Mit „Die neuen zehn Gebote“ bringt Andreas Lehmann auch die scheinbar kleinen Ärgernisse des Alltags mit ins Repertoire an unnötigen Nervigkeiten und führt dem Leser elegant-zynisch-sarkastisch die immer weiter um sich greifende Problem-und Verbots-Erfindungsmaschine Menschheit dar.

Ein Spiegel, bei dem man wohl genau erkennen kann, wer aus welchem Holz gestrickt ist… Nebenkriegsschauplätze wie das Rauchverbot (wo bis heute die meisten noch nicht geschnallt haben, welche Probleme und Sorgen dieser Quatsch wirklich mit sich gebracht hat… weil: Im Moment ist es wichtiger, Fleischfresser an den Pranger zu stellen). Die Tänze um das goldene Kalb namens Kind werden gebührend aufgezeigt, die ewig kreisende Frage um das eigene Ich.

zehnLäßt man sich Lehmanns Gedanken und Ausführungen mal überspitzt durch die Gehirnwindungen gehen, scheint es fast, als würde jeder Mensch am liebsten am Ende schlußfolgern wollen, er selbst sei Gott. Und nur er, damit das mal klar ist, ne. Das soziale Ungebahren via Twitter, Facebook… ist es denn wirklich die Technologie, die das Böse verkörpert – oder wird´s nicht langsam mal Zeit, uns selbst anzuschauen, wie unendlich lächerlich wir uns eigentlich vor dem Universum machen. Tagein tagaus sucht sich der Mensch neue Götter, ist das Höchste aller Güter, das größte Idol der nächste vorgekaute Name.

Andreas Lehmann zeigt gekonnt, spitzfindig, doch nie boshaft auf, was für Pfeifen wir eigentlich sind – und am Ende muß wirklich drüber lachen, woraus man alles selbst einen Strick dreht. Lieber in psychologischer Behandlung und im Gespräch als gesund und selbst für seinen Zeitvertreib verantwortlich, so scheint´s. Einiges ist scharf beobachtet, Larifari, dem wir hinterher eiern, als sei´s der heilige Gral auf der Suche nach… ja, was eigentlich?

Ein unterhaltsames Werk, das kritisch, aber nicht anklagend vieles auf den Punkt bringt und einen dazu bringt, mal selbst seine Gedanken-Fizzl anzustrengen und ein wenig zu sinnieren. (Riemann Verlag) EV

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.