Ayreon: »Flight Of The Migrator«

Hier ist also der härtere Teil des Migrators. Mit Sängern wie Bruce Dickinson, Andi Deris oder auch Ralph Scheepers hat sich Arjen Lucassen auch die passende Unterstützung an seine Seite geholt. Trotz flotterer Songs bleibt die leicht psychedelische Stimmung und der Hang zum Progressiven auch hier erhalten, und machen einfach deutlich, da hier keine x-beliebige Metal-Band am Start, sondern jemand, der ein Faible für gut durchdachte, flüssige aber auch leicht verzwickte Songs hat. Dynamische Parts gehen einher mit leicht verhalteneren Absätzen, hintergründiger Stimmung  und fernab von allen Metal-Klischees entwickelt sich diese Platte zu einer wahren Perle, bei der die Abstimung von mitreißenden Passagen, künstlerische wie technisch stellenweise sehr klassischen Einflüssen und einer Menge hochkarätiger Sänger nahe zu perfekt ist. Kaufen. (Transmission Records) EV

 

BLAZE: »SILICON MESSIAH«

Ätsch! Dickinson-als-Maiden-Sänger werden mich jetzt wahrscheinlich hassen, aber im Großen und Ganzen ist das wohl die Platte, die Harris und Co. in der letzten Zeit nicht mehr auf den Schirm bekommen haben. Nicht, daß »Virtual IX« und »The X-Factor« schlecht gewesen wären. Aber die einst so genialen Instrumentierungen und Songstrukturen ließen einfach diese kleinen, ekligen Widerhaken vermissen. Und das wird einem deutlich, wenn man sich »Silicon Messiah« gibt. Und bitte verzieht beim Opener »Ghost In The Machine« nicht gleich die Bebben, nur weil er ein wenig modern aufgemacht ist. Wird schon. Spätestens ab dem Titeltrack selbst und »Born As A Stranger« fällt der Groschen. Sicher erinnert die ganze Geschichte a bissel an Iron Maiden, nur dann muß ich mich fragen, warum muß Blaze Bailey samt neuer Band zeigen wie Maiden klingen sollten?? Diese Scheibe hat dermaßen viel Saft und Sinn für melancholisch-kraftvolle Momente, daß man sich ihrem rauhen Charme nicht entziehen kann. Und überhaupt kommt Blaze´s kehlige Stimme nun viel besser zur Geltung. »Silicon Messiah« ist von vorne bis hinten eine Old-School-Metal-Scheibe: Griffige und prägnante Riffs, satter Rhythmusteppich, ein bißchen trocken und mit einem Sänger, der auch wie einer klingt und nicht wie eine verhinderte Sie. Wenn das der Stuhl ist, der Blaze musikalsisch paßt, dann sollte er doch bitte noch lange sitzen bleiben. Und angesichts »Stare At The Sun« braucht man »Tears Of The Dragon« erst recht nicht mehr. Legt eh jeder Hanswurscht auf.(SPV/Steamhammer)EV

Evil Wings: »Colors Of The New World«

Auch die Proggies sollen auf ihre Kosten kommen und mit Evil Wings ist das bestens zu managen.  Die Italiener schwirren irgendwo zwischen metallischen Anleihen und Rock-Gefilden herum und versetzen diesen Sound dabei sehr gekonnt mit progressiven Elementen ohne dabei nervig zu werden. Wo es also die einen übertreiben oder andere gar nix gebacken bekommen als lahmarschigen, zwar interessant gemeinten aber trotzdem verweichlichten Prog-Sound, findet man hier ein ausgeglichenes Gesamtbild vor.  So ist »Away« ein Hardrock-Bomber wie er im Buche steht:  Ein bißchen episch, treibend, mit einer gigantischen Hookline, schön-zartem Keyboard-Teppich  und in der richtigen Situation einfach herzzereißend. Allein dieser Songs rechtfertigt den Kauf der Scheibe, auch wenn er länger hätte sein können.  Es geht nicht alles gleich ins Ohr, aber dieser Silberling ist es echt wert, daß man sich auf die Suche nach seinen Schätzen macht. Wurscht, ob Progressive mag oder nicht. (Adrenaline Records)

 

Majestic: »Trinity Overture«

Hähä, gleich das Riff des Intros ist so unverschämt von Malmsteen´s »Rising Force« geklaut, daß einem das Grinsen nur so ins Gesicht steigt. War die Band mit ihren Debut für manche ein guter Tip, werden sich Majestic mit diesem Silberling wohl ziemlich weit nach vorne in der Gunst der Fans und Schreiberlinge katapultieren. Ein Glanzstück ist Neu-Sänger Apollo, der mit seiner leicht kratzigen und eindringlichen Stimme selbst über den fetzigsten Songs immer einen Hauch Traurigkeit hängen läßt, trotzdem aber verdammt kräftig rüberkommt. Das Material ist ausgefeilt bis ins letzte Detail und filigrane Soli, kitzeliges Keybord-Genudel der angenehmen Sorte und geradlinigere Passagen wechseln sich in einem Tempo ab und ergänzen sich andererseits wieder, daß im Sound der Band nicht einmal das kleinste Loch entsteht. Melodischer Metal mit sehr hohem technischen Niveau, dem richtigen Gefühl für Spannungsbögen und Anspieltips gebe ich Euch jetz t nicht, denn diese Scheibe legt Ihr Euch eh zu. So gut und selbst-verständlich wirkend waren die letzten Alben von Yngwie „seine Majestät“ Malmsteen nicht. Mal sehen, wann ihm und seiner Combo von Richard Anderson und Co. der musikalische Rang abgelaufen wird. (Massacre) EV

Dead Man Walking: »Additional Parts Inside«

Eine sehr vielversprechende Sache kreist da in meinem CD-Player.  Metal, aber alles andere als heftig, eher die eindringliche Schiene, die mit einer Menge Atmosphäre und Abwechslung arbeitet und einen sehr flächigen Sound präsentiert.  Klingt ungefähr so, als würden Zeno Metal machen. Die Sprünge von flotteren Parts zu langsamen Passagen sind ein beliebtes Spiel bei der Band, dazu gesellen sich sehr eingängige Hooks und ein starker melancholischer Touch. Der Gesang ist ein wenig leise abgemischt, zu der Stimmung der melodiestarken Songs paßt das aber wunderbar. Hier ist alles auf ein gutes Gesamtbild ausgelegt und Soli-Parts sind zwar vorhanden, trampeln den zarten Sound der Band aber nicht nieder.  Technisch ist soweit auch alles im Butter und als Hörer bekommt zwar nicht die Mega-Frickel-Arien aber einfach schöne Mucke. Tut mir  und Euch selbst den Gefallen und rennt nicht einfach an dieser Platte vorbei.(Maple Leaf Records) EV

 

Headline: »Voices Of Presence«

(Nothing To Say) Also, das Coverartwork sieht ja schon mal ziemlich geil aus. Aber das könnte Ihr Euch im Laden ja dann selbst anschauen (kann ich jetzt auch schreiben, daß die Leserschaft sich die Platte auch selber anhören soll? Ne? Auch gut.). Schon mal ein sehr positiver Aspekt dieses progressiven und auch symphonsichen Metal-Outputs ist der Gesang von Madame Keine Ahnung (Name nicht Booklet), der schon mal recht kräftig und nicht zuckersüß säuselnd aus den Boxen kommt. In dieser Hinsicht also schon mal ein kleiner Querverweis Richtung Lana Lane. Musikalisch bestehen allerdings ein paar feine Unterschiede, gehen doch Headline um einiges härter und nicht ganz so episch zu Werke. Interessante Temposteigerungen gehören genauso zum Konzept wie abrupte und doch passende Melodiewechsel. Auch die Gegensätze zwischen auf nachhaltige Wirkung bedachte und effektvolle Melodien, besonders bei den Klampfen, und stellenweise gasmäßig davonziehendem Drumming kommen sehr gut. Soll aber nicht heißen, daß die Instrumente hier ihren ganz perönlichen Film drehen, vielmehr schieben derartige Momente gewaltig und pendelt man sich mal auf einem gemeinsamen Nenner ein, erhält der Hörer einen sehr warmen, kompakten Sound, der nicht selten, auch betont durch die griffige Gitarrenarbeit zwischendurch, Erinnerungen an die guten, alten Conception wach werden. (Modern Music) EV

 

Jag Panzer: »Thane To The Throne«

Hätte ich die Qual der Wahl, in welche Silberlinge ich mein Geld investieren sollte, würde ich mir spätestens jetzt die Haare raufen, denn auch der Haufen um Sänger Harry Conklin bringt mit »Thane To The Throne« Heavy Metal in der reinsten Form: Erdig, druckvoll, mit straken Gitarren-Lines und ausdrucksstarkem Gesang. Textlich hat man sich Shakespear´s „Macbeth“ angelehnt und sich somit also nicht nur in musikalischer Hinsicht eine Herausforderung gesucht. Nicht jeder Song dieser Platte geht sofort ins Ohr, allerdings haben alle Tracks diesen Am-Schluß-auf-Repeat-drücken-Effekt. Die im mittleren Bereich angesiedelten Rhythmen gehen entsprechend schnell in die lahmen Beine und die fließende, stellenweise richtig raffiniert gemachte (weil kaum merkbar) Abwechslung verleiht dem trockenen Sound der Band einen noch größeren Reiz. Reine Keyboard Metal-Fans werden diesen Output vielleicht ein wenig spröde finden, aber wer Metal Church mag und sich deren Sound noch um einiges verfeinerter und ausgeglichener vorstellen kann, muß hier einfach zugreifen.  Hier gibt es nicht zu viel oder zu wenig, sondern nur wirkungsvolle, aufs Wesentlich beschränkte, mit einigen Chorpassagen und griffigen Riffs versehene Songs, denen absolut nichts fehlt, auch wenn nicht alles mit Gequiekel vollgeranzt ist. (Century Media) EV

 

LANA LANE: »SECRETS OF ASTROLOGY«

Wer gedacht hat, Lana Lane wurde konsequent den auf »Queen Of The Ocean« präsentierten, bombastischen Stil weiter verfolgen, dürfte sich von der neuen Platte überrascht zeigen. Epische Songs mit Hang zu ausgedehnten Vocallines finden sich auch hier zu Hauf und beweisen einmal mehr die Klasse dieser Sängerin. Allerdings wirkt das Material nicht mehr so extrovertiert wie auf dem Vorgänger und zeigt sich ein bißchen sperriger. Was für manchen nu abschreckend klingen mag, ist aber de facto nur noch eine wirkungsvolle Verstärkung des Symphonic Rocks der Band um Lana. »Secrets Of Astrology« wirkt sehr reif und trotz einiger geschlossen gestalteten Passagen absolut zugänglich. Der progressive Anteil hat im Gegensatz zu »Queen..« wieder die Oberhand gewonnen, verflicht aber mit den rein melodischen Parts und Lana´s tragendem Gesang zu einer recht hypnotischen Mischung. Eine weitere klasse Platte der Band, die davon zeugt, daß auch Veränderungen im Kleinen eine große Wirkung haben können ohne dabei gleich den Zauber des band-eigenen Stils kaputt zumachen. (InsideOut/SPV)EV

 

Nighingale: »I«

Eigentlich eher als Spezialist für düstere Sounds bekannt,  bringt Dan Swanö mit Nightingale mal wieder was auf den Markt. Zwar ist diese Scheibe auch nicht fröhlich, aber eher im melodischen Hardrock-Bereich unterwegs und bietet eine gute Mischung aus gängigen Trademarks dieser Richtung und tiefsinnigen Hintergrund-Arrangements, die dem ganzen einen besonderen Touch geben. Melancholie wäre hier nicht das richtige Wort, die Stimmung ist eher ein wenig etwas kneifige Mischung aus introvertiert und extrovertiert. Die Gitarren und stellenweise der Gesang gehen sehr gut nach außen, während gerade die anderen Instrumente stellenweise einen guten Gegensatz dazu darstellen. Wer von 08/15-Hardrock-Scheiben die Schnauze voll hat, sollte zugreifen, denn diese Platte verfügt nicht nur über großartige Strukturen und gute Melodien, sondern hat auch das gewisse Etwas. (Black Mark) EV